"Ich hab's geschafft", sagt Neil Armstrong (Ryan Gosling) trocken nach den ersten fünf Minuten von Aufbruch zum Mond, als er wieder auf der Erde gelandet ist. Diese ersten Minuten wirken, als könne der Film vorbei sein, bevor er eigentlich angefangen hat, denn der Testflug in die Schwerelosigkeit, an die Grenzen der Atmosphäre, von dem Armstrong da gerade zurückkehrt, wäre beinahe schiefgegangen. Das Raketenflugzeug prallte an der Atmosphäre ab, die aus dieser Höhe als schimmernde Hülle um die Kugel Erde sichtbar wird. So führt der Film immerzu beides vor – Schrecken und Schönheit des Weltalls. Gerade die scheinbare Friedlichkeit der Weite und Ferne lässt die existentielle Einsamkeit des Piloten erahnen, weil von da oben heil nach Hause zu kommen, etwas anderes bedeutet, als die letzten beiden Straßenbahnstationen zu laufen.

Dass man sich in der Eröffnungssequenz von Aufbruch zum Mond so reinfühlt in die Gefährlichkeit des Raumflugs hat mit der erzählerischen Unmittelbarkeit des neuen Films von Damien Chazelle (La La Land, 2016) zu tun. In das Dunkel des Kinosaals tritt als Erstes ein Surren und Pfeifen und dann das Atmen von Ryan Gosling, der ein bisschen klingt wie ein Marathonläufer auf den letzten Stadionrunden, den die Kamera zu spät eingefangen hat. Akustisch kommt der Flug rüber als Mischung aus Rangierbahnhof und überholter Schwerindustriefabrik – es zischt und rasselt und peitscht und wenn man den Film adäquat beschreiben wollte, müsste man so viele Wörter für "Fluggeräusche" haben wie die, wie es inzwischen heißt, Schotten für "Schnee".

Aufbruch zum Mond erzählt die langen Jahre, in denen die USA versuchten, den Raumfahrterfolgen der Sowjetunion etwas entgegenzusetzen. Im April 1961 war Juri Gagarin als erster Mensch im Weltraum gewesen – ein Ereignis, das die Amerikaner in der Systemkonkurrenz des Kalten Krieges erst 1969 mit der Mondlandung kontern konnten. Darin steckt die Aktualität des Films: dass er mit Rückschlägen und Zweifeln ringt (Ist das ganze Geld richtig angelegt in den endlos scheinenden Anläufen?), ohne die Überzeugung der eigenen Stärke, wenn nicht Überlegenheit zu verlieren.

Wobei es Chazelle und seinem Drehbuchautor Josh Singer (der zuvor etwa Spotlight geschrieben hatte) nicht darum geht, Amerika wieder groß zu machen. Aufbruch zum Mond wird getragen von dem uramerikanischen Selbstverständnis, dass die USA schon immer groß sind. Dafür bürgt die zurückgenommene Heldenfigur, als die Neil Armstrong durch den stoisch-zarten Männerdarsteller Gosling aktualisiert wird: ein spröder, karger Typ, kein Lautsprecher, ein Einzelgänger, der unbeirrt an die geplante Mission glaubt.

Armstrong schält sich, wiewohl die Aufmerksamkeit des Films von Beginn an ihm gilt, erst allmählich als Mann für den Flug zum Mond heraus. Auch weil, so etwas registriert der Film nebenher, in dieser frühen Phase der Erprobung des Unbekannten ein schlichter Kurzschluss zur tödlichen Falle für Astronauten werden kann in den engen Kabinen, in die sie, ummantelt von Schutzanzügen und -helmen gezwängt sind. Hinter der Einstiegsluke macht es kurz "puff" – und dann sind wieder Leute gestorben, Hoffnungen zerstoben, das Ziel der Bemühungen sei nahe.

Der richtige Mann fürs Problem

Goslings Astronaut qualifiziert sich durch seine bescheidene Unbeirrbarkeit für den Job. Das Abenteuer Weltraum ist für ihn nicht Abenteuer, es geht dem Piloten darum, wie es fast lyrisch heißt, etwas sehen zu können, was noch keiner gesehen hat. Um das große Ganze also, den Sprung für die Menschheit. Der Glaube an die Rationalität, also die stetige Verbesserung der Technik, ist Armstrongs stärkstes Argument in diesem Film. Jede Fehlfunktion ist ein Gewinn, weil sie den Punkt markiert, an dem optimiert werden muss.

Wenn Armstrongs mitleidende Frau Janet (Claire Foy) nach einem gerade noch glücklich gemeisterten Test den Verantwortlichen im Raumfahrtzentrum von Houston eine Standpauke hält (dass sie sich an "Protokollen und Prozessen" festhielten, die es in Wirklichkeit nicht gäbe beim Ausflug ins Ungewisse), dann ist das dem Film nur Ansporn. Aufbruch zum Mond ist – aller Porosität gegenüber den Durststrecken auf dem Weg zum Erfolg trotzend – eine Erzählung über den amerikanischen Professionalismus: Jedes Problem lässt sich beheben, wenn nur die richtigen Leute es mit kühlem Verstand angehen.