Der italienische Filmregisseur Bernardo Bertolucci ist gestorben. Das hat seine Agentur mitgeteilt. Der Filmemacher starb im Alter von 77 Jahren nach einer langen Krankheit in Rom.

Zu Bertoluccis bekanntesten Filmen gehören Der letzte Tango in Paris, 1900 (Novecento), Der Himmel über der Wüste sowie Little Buddha. Sein Film Der letzte Kaiser erhielt neun Oscars. Für sein Lebenswerk wurde er unter anderem vom Filmfestival von Venedig und in Cannes ausgezeichnet.

1941 als Sohn einer Lehrerin und eines Kunsthistorikers in Parma geboren, zog Bertolucci mit seiner Familie nach Rom, wo er schon früh Gedichte schrieb. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris – nach dem Abitur verbrachte er 1959 einen Monat dort – begann er in Rom ein Literaturstudium, was er zwei Jahre später abbrach. Stattdessen assistierte er seinem Bekannten Pier Paolo Pasolini bei dessen erstem Film Wer nie sein Brot mit Tränen aß (Accattone) und führte im Jahr darauf erstmals selbst Regie.

Zwischen 1962 und 2016 inszenierte Bertolucci insgesamt 16 Filme, viele zusammen mit Vittorio Storaro, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband. Zusammen entwickelten sie eine an die Oper angelehnte Bildsprache mit ausgedehnten Kameraeinstellungen, einem eigenen Farb- und Lichtkonzept sowie mehreren Tanz- und Gesangsszenen, die nicht nur schmückendes Element sind, sondern die Handlung vorantreiben und teils eine entscheidende Wende geben.

Seine erfolgreichsten Filme realisierte Bertolucci allesamt in den Siebzigerjahren – es waren zugleich seine kontroversesten. 1972 etwa kam Der letzte Tango in Paris in die Kinos und sorgte mit seinen Sex- und Gewaltszenen zwischen dem alternden Marlon Brando und der bis dahin unbekannten jungen Schauspielerin Maria Schneider für Aufsehen. Im Zuge der MeToo-Debatte wurden Vorwürfe gegen den Regisseur und seinen Hauptdarsteller publik. So gab Bertolucci zu, zusammen mit Brando eine Vergewaltigungsszene abgesprochen zu haben, ohne Schneider darüber zu informieren. "Ich wollte ihre Reaktion als Mädchen, nicht als Schauspielerin", sagte der Regisseur später.

Bertolucci nutzte damals seinen neuen Ruhm, um vier Jahre später sein Bauern- und Klassenkampf-Epos 1900 zu verwirklichen. Darin propagiert er vor allem kommunistische Ideale – seit 1968 gehörte der Regisseur selbst zur Kommunistischen Partei in Italien. 1979 schließlich erschien La Luna, ein Film über die verbotene Liebesbeziehung zwischen einer Opernsängerin und ihrem Sohn. 

In den Achtzigerjahren drehte Bertolucci seinen preisgekrönten Film Der letzte Kaiser. Das war damals eine Sensation, da der damals 40-Jährige als erster westlicher Regisseur überhaupt in der Verbotenen Stadt in Peking drehen durfte. Das Epos wurde 1988 mit neun Oscars ausgezeichnet, unter anderem für die beste Regie.

Danach wurde es ruhiger um ihn, erst 2003 erreichte er mit Die Träumer wieder ein breites Publikum. 2012 schließlich erschien sein letzter Kinofilm Ich und Du – der erste nach 30 Jahren, den er wieder auf Italienisch gedreht hatte.