Der renommierte Turner-Preis geht in diesem Jahr an die schottische Künstlerin Charlotte Prodger. Die 44-Jährige wurde am Dienstagabend bei einer Zeremonie im Londoner Tate-Museum für ihre teilweise mit dem iPhone aufgenommenen Kurzfilme Bridgit und Stoneymollan Trail ausgezeichnet.

Prodgers Werke zeugten vom "tiefgründigsten Gebrauch eines Geräts, so nüchtern wie die iPhone-Kamera, die die Kunst bisher gesehen hat", lobte der Vorsitzende der Jury und Direktor des Museums Tate Britain, Alex Farquharson. Mit ihrem Werk erforsche Prodger Themen rund um "Queer-Identität, Landschaft, Sprache, Technologie und Zeit".

Die in Glasgow lebende Künstlerin äußerte sich bei der Preisverleihung "ziemlich überwältigt" über die Auszeichnung. Der BBC sagte Prodger später, die von ihr erzählten Geschichten seien zwar "meine und persönlich". "Aber es sind Geschichten, die viele Menschen – ich denke, Leute, die queer sind – erlebt haben."

Bridgit, ein teilweise autobiografisches Werk, beschäftigt sich unter anderem mit der Identität von Menschen, die sich als queer bezeichnen. Ein Jahr lang filmte Prodger die schottische Landschaft und ihre Wohnung, darüber legte sie Soundeffekte aus ihrer Umgebung. Außerdem tritt sie selbst an einigen Stellen als Erzählerin auf und lässt Freunde aus Tagebüchern und Romanen von queeren Autoren vorlesen.

Der Turner-Preis ist die wichtigste britische Auszeichnung für moderne Kunst. Er ist nach dem englischen Maler William Turner benannt und wird seit 1984 vergeben. Das Preisgeld für den Gewinner beträgt 25.000 Pfund. Die anderen Nominierten bekommen jeweils 5.000 Pfund. Die Vergabe der Auszeichnung wird von der Londoner Tate Gallery organisiert.

Im vergangenen Jahr hatte Lubaina Himid als erste schwarze Künstlerin den Turner-Preis bekommen. Unter den Preisträgern sind bislang erst zwei Deutsche: der Fotograf Wolfgang Tillmans (2000) und die Malerin Tomma Abts (2006).