Verlieren Sie langsam den Durchblick zwischen all den horizontalen und vertikalen Serien auf Netflix, Amazon, Sky und im Free-TV? Oder sind Sie einfach nur auf der Suche nach gutem Fernsehen, wollen womöglich sogar gepflegtes Binge-Watching betreiben? In unserer Serienkolumne besprechen wir die interessantesten Neustarts des Monats.

Killing Eve

Diese Serie ist vertrackt. Nach zwei Folgen denkt man entnervt: Das soll es jetzt also sein mit dem Feminismus im seriellen Geschäft? Eine wunderschöne Serienkillerin jettet durch die wunderschönsten Orte Europas (Paris, Toskana und, na ja, Berlin), um dort mächtige Männer möglichst erfinderisch zu exekutieren? Doch im Laufe der fünf vorab zu sichtenden Folgen der britischen Serie Killing Eve erkennt man, dass diese Stereotypen ganz bewusst gewählt worden sind, um sie nach und nach genüsslich zu demontieren.

Geschrieben hat die Serie die Britin Phoebe Waller-Bridge, die mit Fleabag eine der witzigsten und anrührendsten Serien über moderne Großstädterinnen überhaupt geschaffen hat. In Killing Eve hat sie Luke Jennings Roman Codename Villanelle für den US-Ableger der BBC adaptiert, mit viel Ironie versehen und mit dem unbedingten Willen, alle Rollenklischees zu brechen.

Die Auftragsmörderin Villanelle (Jodie Comer) ist zwar von makelloser Anmut und mit einem exklusiven Geschmack ausgestattet, handelt aber eben auch äußerst irrational und ist ein absoluter Mistkerl. Mit ihrem Mentor Konstantin (Kim Bodnia, bekannt aus Die Brücke) unterhält sie eine Nikita-ähnliche Vater-Tochter-Beziehung. Ihre einzige Beziehung überhaupt. Bis sie Eve Polastri (Sandra Oh) kennenlernt, die nach ihrem Rauswurf als MI5-Agentin in einer kleinen inoffiziellen Task Force gegen sie ermittelt. Die beiden Frauen verfolgen sich gegenseitig und begeben sich damit in die filmisch schon häufig erzählte Abhängigkeit von Jäger und Gejagtem. Nur dass es hier zwei Jägerinnen und zwei Gejagte sind und zwischen den beiden Frauen nicht nur ein gewisses Grundeinverständnis herrscht, sondern auch eine erotische Spannung, die zumindest Eve lang nicht wahrhaben will.

Sandra Oh, die für ihre Rolle den Golden Globe erhielt, spielt diese Eve dankenswerterweise nicht als weitere eiskalte Profilerin mit Asperger-Syndrom, sondern als eher durchschnittliche, glücklich verheiratete Frau, die beim MI5 bisher eher am Schreibtisch versauerte. Die Killerin erkennt Eves Sehnsucht nach Bestätigung und plötzlich sitzt sie bei ihr in der Küche. Es wird sicher nicht die letzte Begegnung zwischen diesen beiden Frauen sein. Eine zweite Staffel ist schon in Planung.
(Carolin Ströbele)

"Killing Eve" läuft ab 22. Februar auf Starzplay, empfangbar über Amazon Prime.