Einigermaßen plausibel ausdenken kann man sich aber nur, was man schon weiß: Vorurteile, Klischees, Annahmen über die Welt, die geläufig sind und deshalb nicht so rasch hinterfragt werden. Wenn Lorenz behauptet hätte, der aufgeputschte Pohl wäre von einem Drachen verfolgt worden, hätte sich der Fall sofort erledigt.

Die Geschichte von der Russen-Mafia ist dagegen ein erzählerischer Selbstläufer – nicht zuletzt weil der ARD-Sonntagabendkrimi selbst an den Bildern mitgestrickt hat, die wir von dieser Form des Verbrechens haben. 

Der Schauspieler Jevgenij Sitochin, der in Weiter, immer weiter den Hotelbetreiber und vermeintlichen Mafia-Boss Roman Beresow spielt, kann vermutlich ein Lied davon singen, welche Rollen ihm im deutschen Film für gewöhnlich angeboten werden – liebevolle Lehrer oder gutmütige Ärzte sind es nicht.

Deshalb eröffnet dieser Film selbstreflexive Momente im Bezug auf die Reihe, in der er erscheint: Der Tatort dementiert die angstlüsterne Vorstellung, in jedem Russen stecke automatisch die Mafia, indem er genau davon erzählt. Am Ende muss sich die Folge zwar fragen lassen, ob eine geordnete Verhaftung nicht viel besser zu ihr, einem durchdachten Krimi, gepasst hätte, als das bisschen Dramatik, das von dem lauten Geballer abfällt.

Die Blitzgneißer unter den ARD-Sonntagabendkrimi-Freunden könnten freilich darüber stöhnen, dass der schillernd-unzuverlässige Zeuge Frank Lorenz ausgerechnet mit Roeland Wiesnekker besetzt ist – einem Schauspieler, den man ein paar mal zu oft in der Rolle des scheinbar gutmütigen Finsterlings gesehen hat.

Berichtigung vom 8.1.2019: Am Ende des zweiten Absatzes fehlte das Wort NICHT. Zuvor hieß es: "...er führt vielmehr direkt in diesen unoriginell verwinkelten Tatort". Außerdem haben wir den Teaser nachträglich geändert, weil die ursprüngliche Bezeichnung "lügender Polizist" irreführend war.