Diese Augen. Dunkelbraun, riesig. Mal traurig und verletzlich, dann wieder eisenhart entschlossen. Wenn die Augen tatsächlich der Spiegel der menschlichen Seele sind, dann sind Alitas Augen der Spiegel der Möglichkeiten moderner Spezialeffekte. Die Macher von Alita: Battle Angel wissen um die Wirkung ihrer Kreation, und so gibt es in diesem 3-D-Actionspektakel eine Szene, in der Alita aus großer Höhe fällt, und ihr Auge kommt der Zuschauerin immer näher, bis es die ganze Leinwand ausfüllt, ja, den ganzen Saal – bis die Betrachterin gleichsam versinkt in diesem menschelnden Dunkelbraun.

Alitas Augen sind nicht echt, sie stammen aus dem Computer. Und auch wieder nicht. Denn die Spezialisten der Effekte-Firma Weta scannten die Augen der Schauspielerin Rosa Salazar und vergrößerten sie um ein Vielfaches. Zusätzlich nahmen während der Dreharbeiten zwei kleine Kameras die Mimik der Darstellerin auf, sodass Alita nicht nur mit Salazars Augen schaut, sondern auch durch ihre Physiognomie Gefühle transportiert. Ein Zwitterwesen aus Einsen, Nullen und menschlichen Emotionen.  

Die großen Augen verpassen dem titelgebenden Cyborg mit dem Mädchengesicht das Antlitz einer Mangafigur. Das passt, denn Alita basiert auf der japanischen Comic-Reihe Battle Angel Alita, die von 1991 an erschien. Darin erwacht ein weiblicher Cyborg ohne Erinnerungen in einer postapokalyptischen Welt, geht auf die Suche nach seiner Vergangenheit und entdeckt, dass er über außerordentliche Kräfte verfügt.

Ein Stoff, der förmlich nach James Cameron schreit, dem Schöpfer von Titanic und Avatar, den immer noch erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Larger than life, voller großer Gefühle, brutaler Kämpfe und futuristischer Technik. Cameron war es auch, der die Verfilmung anschob. Für Alita schrieb er zwar nur das Drehbuch und produzierte, die Regie überließ er Robert Rodriguez. Aber dieser Film trägt alle Insignien eines Cameron-Werks. Im Guten wie im Schlechten.

Da sind klassische Titanic-Momente: Einmal schwingt sich Alita auf das Motorrad ihres Liebhabers und reckt jubilierend die Arme in die Luft wie weiland Kate Winslet am Bug des Ozeanriesen. Das sich bei Bedarf verflüssigende Metall von Alitas Körper weckt Erinnerungen an den T-1000, den Cyborg aus Terminator 2. Und unter dem Effekt-Bling-Bling tuckert, wie immer bei Cameron, eine erstaunlich simple Geschichte, in der Gut und Böse auf den ersten Blick erkennbar sind und sich scheinbar hoffnungslos schwache Figuren dazu aufschwingen, die Welt zu retten. 

Das ist nun die Aufgabe von Alita, im Grunde die weibliche Version des Teenagers John Connor aus Terminator 2. Sie darf allerdings sogar Teenie und Cyborg in einem sein. Alita wird von Dr. Ido (Christoph Waltz) gefunden und wieder zum Leben erweckt. Sie und ihr Ersatzvater leben in einer Metropole namens Iron City, irgendwann nach einem Krieg zwischen Menschen und außerirdischen Invasoren. In der Stadt herrschen Mord und Totschlag, Maschinenmenschen und Cyborgs marodieren durch die Straßen, und nachdem Alita ihre Kräfte entdeckt hat, gibt es viele Gelegenheiten zu donnernden Duellen, Metall gegen Metall. Das Robotermädchen verliebt sich in einen jungen Mann, der in dunkle Geschäfte mit Cyborg-Ersatzteilen verwickelt ist. Dr. Ido verrät Alita nicht die ganze Wahrheit über ihre Vergangenheit. Und dann gibt es noch die Gegenwelt Zalem, in der die Elite in einem angeblich perfekten Soziotop lebt, und die doch die eigentliche Nemesis von Alita zu beherbergen scheint.  

Vollgestopft ist die Geschichte also mit Elementen aus der jüngeren Science-Fiction-Filmgeschichte, und stellenweise ereignen sich durchaus Momente, in denen die pure kinetische Energie der Action-Sequenzen diesem Mischmasch etwas Mitreißendes verleiht. Im Kern aber bleibt Alita Spektakelkino der alten Schule, eine moderne Jahrmarktsattraktion, deren Geschichte bloß Kulisse ist und die sich nicht im Geringsten für das einzige hier interessante Motiv interessiert: das der weiblichen Selbstermächtigung. Alita ist trotz ihrer Kräfte eine durch und durch rehäugige Figur.

Erzählerisch sind diese Augen also verschenkt. Tricktechnisch auch? Aus diesem Blickwinkel ist Alita trotz seiner Schwächen interessant: Der Film darf als Schaufenster gelten für die Möglichkeiten von Computer Generated Imagery (CGI), Effekten aus dem Rechner also, und besonders für den Entwicklungsstand von Motion Capturing. So nennt sich das Verfahren, dessen neueste Kreatur Alita ist. Dabei wird menschliche Bewegung von Spezialkameras aufgezeichnet und auf 3-D-Modelle aus dem Rechner übertragen. In den vergangenen Jahren hat sich dafür auch der Begriff Performance Capture durchgesetzt, denn die Technik kann immer komplexere Bilder und mimische Ausdrucksformen generieren, sie schauspielert gewissermaßen immer besser.