Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Er starb in der Nacht zu Samstag in Zürich an einer Krebserkrankung, wie sein Management bestätigte. Bruno Ganz begann seine Karriere am Theater und arbeitete mit Regisseuren wie Peter Zadek und Claus Peymann zusammen. Seine Darstellung von Adolf Hitler in Der Untergang wurde von der Kritik in höchsten Tönen gelobt und war auch seinen eigenen Worten nach ein Einschnitt in seinem künstlerischen Wirken. 2017 spielte Ganz in Der Trafikant den Psychoanalytiker Sigmund Freud, brillierte im selben Jahr als Urgroßvater Wilhelm Powileit in der Roman-Verfilmung In Zeiten des abnehmenden Lichts.

Ganz war einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler der Gegenwart und wurde vielfach ausgezeichnet. 1996 erhielt er den Iffland-Ring – eine Auszeichnung, die der vorherige Träger testamentarisch an den seiner Meinung nach "jeweils bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters" auf Lebenszeit verleiht.

Mitbegründer der Berliner Schaubühne

Als Sohn eines Schweizer Fabrikarbeiters und einer Italienerin wuchs Ganz in Zürich auf. Schon als Schüler entdeckte er die Bühne für sich. Nach ersten Engagements traf er in Bremen mit Peter Stein einen Regisseur, mit dem er lange zusammenarbeitete. Die von Ganz mitbegründete Berliner Schaubühne wurde in den 1970er-Jahren zum Dreh- und Angelpunkt des europäischen Theaterlebens. Dort spielte Ganz unter anderem die Titelrolle in Ibsens Peer Gynt und in Kleists Traum vom Prinzen Homburg.

Mitte der Siebzigerjahre wurde der Film zu seinem Metier. Zwei seiner ersten Rollen hatte er in der Literaturverfilmung Die Marquise von O. (1976), in der Ganz den Grafen spielte, und in Peter Steins Verfilmung der Sommergäste. Später spielte er in Werner Herzogs Nosferatu (1978) und Volker Schlöndorffs Die Fälschung (1981) mit. Unter der Regie von Wim Wenders übernahm er 1977 die Hauptrolle in Der amerikanische Freund und drehte 1987 Der Himmel über Berlin.

"In Sterberollen lernt man, dass es einem nicht hilft, sich auf den eigenen Tod vorzubereiten", sagte Ganz 2010 dem ZEITmagazin.

Im Sommer 2018 sollte Ganz bei den Salzburger Festspielen den Erzähler in der Mozart-Oper Die Zauberflöte spielen. Dazu kam es nicht mehr. Die Proben musste er auf dringenden ärztlichen Rat abbrechen.

"Ikone des deutschsprachigen Theaters"

Zahlreiche Kollegen, Kulturschaffende und Politiker reagierten mit großer Trauer auf den Tod des Schauspielers und würdigten Bruno Ganz als herausragenden Schauspieler. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte, die Nachricht habe ihn sehr erschüttert, "verlieren wir mit ihm doch einen großartigen Menschen und Schauspieler von Weltrang". Mit seiner Kunst habe Ganz unzählige Menschen fasziniert. "Bruno Ganz besaß diesen magischen Schlüssel, der große Kunst erschließt", sagte Steinmeier. "Wir werden ihn schmerzlich vermissen."

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte: "Mit Bruno Ganz verlieren wir eine Ikone des deutschsprachigen Theaters und einen herausragenden Könner auch der internationalen Schauspielkunst." Mit Blick auf Ganz' Rolle als Engel Damiel im Film "Der Himmel über Berlin" fügte sie hinzu: "Wir werden Bruno Ganz sehr vermissen und hoffen, dass er als 'Damiel' weiter mit uns ist." Auch der scheidende Berlinale-Chef Dieter Kosslick spielte auf Ganz' Rolle in dem Drama von 1987 an - und auf das strahlende Wetter in der Hauptstadt: "Ich habe das Gefühl, dass nichts im Weg sein soll, wenn er auf seinem Weg ist in den Himmel über Berlin", sagte Kosslick.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bezeichnete den Tod des Schauspielers als großen Verlust für die deutschsprachige Film- und Theaterwelt: "Bruno Ganz gehörte zu den Großen seines Metiers." Der frühere Schweizer Bundespräsident Alain Berset sagte: "Selbst in den boshaften Rollen schimmert bei Bruno Ganz und seinen Charakteren immer Menschlichkeit durch. Das macht sein Wirken und Werk so bedeutsam, weil es differenziert und dadurch verstörend wirkt. Er spielte die Rolle nicht, er lebte sie."

Schauspielkollegin Iris Berben würdigte Ganz auch als persönliches Vorbild. "Sein Wissen um den Beruf, seine Klugheit und vor allem seine Haltung haben mich gestärkt und mir meinen Weg dann geebnet", sagte Berben. "Sein nationales wie internationales Renommee ist unumstritten, aber mir wird er vor allem als Freund fehlen." Schauspieler Ulrich Matthes sagte, er sei "bestürzt und sehr traurig über den Tod meines großen, wenn nicht größten Kollegen" und fügte die Bitte an: "Hören Sie 'Bruno Ganz liest Hölderlins Diotima' auf YouTube."

"Sein Tod hinterlässt eine große Leere. Seine einzigartige Kunst, seine Stimme und sein unvergleichliches Lächeln werden mir, werden uns unendlich fehlen", sagte der Intendant der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser. Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler ergänzte, mit Ganz habe die Theaterwelt "einen der ganz Großen" verloren. "Die Festspiele sind dankbar, dass wir ihn in Salzburg haben durften. Durch sein Werk lebt er in uns fort", sagte die Präsidentin.