"It’s show time" steht auf der Einladung, die vor knapp zwei Wochen von Apple verschickt wurde. Anlass ist eine – nach dem sehr penibel befolgten Jahresveranstaltungskalender dieses Unternehmens – außerplanmäßige Keynote am 25. März im Hauptquartier Apple Park in Cupertino. Mit dem identischen, nur orthografisch leicht variierten Slogan "It’s Showtime" hatte die Firma, die sich ebenso gern selbst zitiert wie herumgeheimnist, vor knapp 13 Jahren schon mal zu einer Produktpräsentation geladen. Damals wurde ein kleiner grauer Kasten namens iTV vorgestellt, der bei seinem Erscheinen in Apple TV umbenannt worden war. Er diente dazu, Videoinhalte, die ursprünglich etwa als Download auf der Festplatte eines Computers lagerten, auch auf einem Fernsehgerät abspielen zu können. Mittlerweile gibt es Apple TV in der fünften Generation. Doch das unterdessen schwarz und kleiner gewordene Kästchen, über das man längst auch Netflix (oder, nun ja, das ZDF-Programm) streamen kann, einen großen Erfolg für seinen Hersteller zu nennen, wäre eine ziemliche Übertreibung.

Es gibt demnach mindestens zwei gute Gründe anzunehmen, dass Apple am Montag ab 18 Uhr deutscher Zeit etwas präsentieren wird, das mit Fernsehen im weitesten Sinne zu tun hat: selber Slogan, arger Produktreformbedarf.

Und weil ohnehin schon klar ist, dass Apple seit einer Weile Fernsehserien produzieren lässt und zuletzt auf dem Filmfestival in Toronto noch ein paar Rechte an Filmen eingekauft hat, ist die Gerüchtelage bei diesem stets von Gerüchten umwaberten Konzern recht stabil: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird Apple nun den Start eines eigenen Videostreaming-Service ankündigen. Gemutmaßt wird auch, dass darüber hinaus Neuigkeiten verkündet werden zum Bezahldienst Apple Pay und zum möglichen Ausbau von Apple News in ein digitales Magazin-Superabo.

Apple will also Netflix, Amazon und ein paar anderen Streamingplattformen Konkurrenz machen. Und wird so vom Telefon- und nebenbei Computerhersteller auch noch zum Inhalteanbieter.

Wann, wie, wo, wie viel, wofür?

Alles Konkrete, was einen als Zuschauerin und Zuschauer so interessieren könnte, wird man dann erst im Laufe der Keynote erfahren, die selbstverständlich auf apple.com gestreamt werden wird: Wann der Service zum Beispiel startet; ob er dann auch in Deutschland sofort verfügbar sein wird; wie viel ein Abo kosten wird; ob es für Apple-User womöglich kostenlose Inhalte geben wird; ob und wenn ja welche weiteren Streamingdienste über den wohl nicht mehr qua Hardware wie Apple TV betriebenen Service darüber hinaus kostenpflichtig verfügbar sein werden (nur dass Netflix offenbar nicht dabei sein wird, hat dessen CEO Reed Hastings vor einigen Tagen bereits angedeutet); und wie dieser neue Dienst überhaupt heißen wird, den man sich da auf seinen Fernseher, Beamer oder Computermonitor holen soll.

Immerhin ungefähr klar ist bereits im Vorfeld, wen man bei Apple in welcher Art von Serie als Erstes sehen können wird. Denn ganz geheim halten lässt es sich dann doch nicht, wenn relativ bekannte Leute aus Hollywood wie Reese Witherspoon, Jennifer Aniston und Steve Carrell ein paar Monate zusammen drehen, an gleich zwei Staffeln einer Serie. The Morning Show heißt sie dem Vernehmen nach und gilt bei den üblichen verdächtigen Apple-Auguren als wahrscheinlichster unter den möglichen Starttiteln. Die Serie soll von einer Frühstücksfernsehsendung handeln und auf dem Buch Top of the Morning des CNN-Medienjournalisten Brian Stelter basieren.

Einem Bericht der New York Times nach soll eine Handvoll weiterer Apple-Serien bereits abgedreht sein, darunter eine Mystery-Serie mit der Oscarpreisträgerin Octavia Spencer (The Help, Shape of Water), eine Science-Fiction-Serie des Science-Fiction-Serienspezialisten Ronald D. Moore (Star Trek, Battlestar Galactica), eine Thriller-Serie des Regisseurs M. Night Shyamalan (The Sixth Sense) und eine Comedy-Serie der Macher von It’s Always Sunny in Philadelphia. Andere Projekte sind angeblich noch in Arbeit, darunter eine Serie des Drehbuchschreiberpaares Emily V. Gordon und Kumail Nanjiani über migrantisches Leben in den USA und ein Reboot der Achtzigerjahrereihe Unglaubliche Geschichten, das der damals schon Verantwortliche Steven Spielberg drei Jahrzehnte später selbst erledigt. Zu den bereits von Apple eingekauften Filmen gehören eine Tierdoku (The Elephant Queen) und ein Animationsfilm (Wolfwalkers); in Auftrag gegeben worden sein soll unter anderem ein neuer Film von Regisseurin Sofia Coppola (Lost in Translation) mit Bill Murray und Rashida Jones in den Hauptrollen als Vater-Tochter-Gespann.

So groß die Zahl dieser Neuproduktionen auf den ersten Blick aussieht, so prominent die Namen der Beteiligten klingen, so erklecklich auch die Summe von ein bis zwei Milliarden Dollar sein mag, die Apple in diese Projekte bislang gesteckt haben soll: Allein das Jahresbudget des künftigen Konkurrenten Netflix für Inhalte betrug laut Schätzungen von Goldman Sachs im Vergleich dazu 2018 rund 13 Milliarden Dollar – etwa 85 Prozent sollen in Eigenproduktionen geflossen sein. Und zumindest in den USA, wo der Kampf um Abonnenten zwischen Netflix, Hulu und Amazon bereits heftig tobt, werden mit Disney und Warner noch im Laufe dieses Jahres zwei mächtige Entertainmentunternehmen eigene Streamingplattformen starten. Disney gehören neben den eigenen Studios noch die von Pixar, Marvel und Lucasfilm – für die eigene Streamingplattform wird daher unter anderem eine Star-Wars-Serie produziert; Warner wiederum sitzt durch den eigenen Pay-TV-Kanal HBO auf ein paar der weltweit erfolgreichsten Serien überhaupt, darunter Game of Thrones. Apple, der bedeutende Tech-Konzern, wirkt als Unterhaltungsanfänger dazwischen fast wie ein Kleiner unter Großen.