Eine Autowerkstatt im Mailand der Fünfzigerjahre: Auf dem Hof sitzen die Schrauber der Iso-Werke in Blaumann und Schiebermütze beim Mittagessen. Im Hintergrund steht ein kleines rotes Auto: die legendäre Isetta. Die Stühle sind aus Holz, das Tischtuch rot kariert. Aus großen Karaffen schenken sich die Männer Rotwein ein, einer tischt Pasta auf. Am Kopf der Tafel sitzt der Deutsche Alexander Schlewitz (Christoph Letkowski) und versteht nichts. "Guten Appetit", ruft er und "Prost" zwischen den Salute-Rufen seiner Kollegen. Wie das mit diesen langen Nudeln ohne Messer funktionieren soll, versteht er erst, nachdem die schöne Giulietta Maconi (Silvia Busuioc) es ihm zeigt. Als Alexander wieder zurück nach München reist, hat er Giulietta geschwängert und die Lizenz für die Isetta im Gepäck. Und wie man Spaghetti isst, weiß er jetzt auch.

Die Szene in Mailand ist eine der Rückblenden des an Rückblenden reichen Dreiteilers Bella Germania, der nun im ZDF anläuft. Und sie zeigt exemplarisch, wie das generationenübergreifende Familienepos, das den Bogen von den ersten italienischen Gastarbeitern der Fünfzigerjahre in die Gegenwart schlägt, angelegt ist: als paternalistischer Gefühlskitsch, der Deutschland als Hort gelungener Integration feiert.

Das fängt mit der Überlegenheit an, mit der Alexander seinen italienischen Kollegen zeigt, wie man eine vernünftige Achse in die Isetta einbaut – Design können sie vielleicht, die Italiener, aber deutsche Ingenieurskunst von BMW ist halt doch was anderes. Der armen Sizilianerin Giulietta, die nicht an sich und ihre Fähigkeiten als Modedesignerin glaubt, kauft er gönnerhaft die teuren roten Pumps, die sie bewundert, und erklärt ihr, dass auch sie es schaffen kann. 

Die Beziehung zwischen Alexander und Giulietta spiegelt das Verhältnis zwischen Deutschland und Italien wider, wie es im Film dargestellt wird: auf der einen Seite die armen, mittellosen Italiener, auf der anderen Seite die privilegierten Deutschen, die diesen großzügig eine neue Heimat bieten. Integration gibt es – aber zu deutschen Bedingungen.   

Bella Germania ist nicht der erste Film, der sich an der Geschichte der Gastarbeiter abarbeitet. Solino (2002) von Fatih Akin ist zwar kaum weniger kitschig, erzählt aber ausschließlich aus der Perspektive der italienischen Familie Amato, die von Süditalien ins Ruhrgebiet auswandert. Dadurch erhalten die Figuren die Selbstbestimmung, die ihnen in Bella Germania verwehrt wird. In Almanya (2011) erzählen die Schwestern Nesrin und Yasemin Şamdereli aus ihrer Sicht als Enkelinnen eines türkischen Gastarbeiters das Schicksal ihrer Familie. Daniel Speck, Drehbuchautor von Bella Germania, und bekannt durch Culture-Clash-Komödien wie Meine verrückte türkische Hochzeit oder Maria, ihm schmeckt’s nicht, hat zwar längere Zeit in Italien gelebt, sein Blick auf die Migrationsgeschichte seiner Figuren bleibt aber immer an der Oberfläche.