"La Zona – Do not cross"

Hector Uría war ein Held, aber das ist drei Jahre her. Nach einer Explosion in einem Atomkraftwerk gehörte der Kommissar (Eduard Fernández) aus Gijón zu den Ersthelfern am Unfallort. Einigen Menschen rettete er das Leben, sein eigener Sohn und Hunderte weitere starben jedoch. Nun ermittelt Uría, inzwischen getrennt von seiner Frau und abhängig von allerlei Schmerzmitteln, in La Zona, einer eilig errichteten Sperrzone, die neben einigen Aufsehern und Ärztinnen wie Urías Geliebter Julia Martos (Alexandra Jiménez) vor allem von zwielichtigen Charakteren bevölkert wird. Kopfgeldjäger und Schmugglerinnen machen ihr eigenes Ding, während zahllose verzweifelte Tagelöhner an der Entgiftung des Landes und der Zerstörung ihrer eigenen Gesundheit arbeiten.

Erst als mehrere verstümmelte Leichen auftauchen, erhöht die Polizei ihre zuvor bestenfalls pflichtschuldige Präsenz in der Sperrzone. Weder dem kriminellen Geschäftemacher Aurelio Barrero (Sergio Peris-Mencheta), der die Arbeiter in der Zone mit Sex und Drogen versorgt, kommt das gelegen, noch dem eher rustikal veranlagten Uría, der sich plötzlich mit einem offiziellen Aufpasser aus Madrid herumärgern muss. Die Zone wird vom weitgehend rechtsfreien Raum zum Kampfgebiet.

Als Regisseur und Drehbuchautor macht der spanische TV-Veteran Jorge Sánchez-Cabezudo die ebenso permanente wie unsichtbare Strahlenbelastung des Personals von La Zona geradezu körperlich nachfühlbar. Jedes Mal stockt einem der Atem, wenn jemand seine Schutzmaske abnimmt oder mit kontaminiertem Essen und Elektroschrott in Berührung kommt. Als Kommissar Uría bei einer Zeugenbefragung auf einem illegalen Flohmarkt zu gewalttätigen Mitteln greift, zückt keiner der zahlreichen Schaulustigen sein Smartphone. Niemand möchte sich die Hände schmutzig machen, schon gar nicht mit unnötiger Strahlenbelastung.

Die Atmosphäre der allumfassenden Verseuchung und Verkorksung reicht in La Zona vom spanischen Norden bis in den Moncloa-Palast nach Madrid. Auf einem Nebenschauplatz erkundet die Serie auch das mangelhafte Katastrophen- und Krisenmanagement von Regierung und Kraftwerksbetreibern, die nach dem Super-GAU zehntausend Menschen binnen weniger Stunden evakuieren und schließlich umsiedeln mussten. Als politisches Intrigenspiel bleibt La Zona jedoch unterentwickelt. Am besten ist die Serie, wenn sie ihren Figuren in die Wälder der Sperrzone folgt – und dabei zuguckt, wie sie unter permanentem Strahleneinfluss langsam zu Zombies werden.
(Daniel Gerhardt)

Die acht Folgen von "La Zona – Do not cross" laufen ab 1. Juni immer samstags um 22.15 Uhr auf ZDFneo. Ab 1. Juni sind außerdem alle Folgen in der ZDF-Mediathek abrufbar.