An einem Tag im Januar 2015 tollt der 14-jährige John Smith (Marcel Ruiz) mit zwei Freunden auf dem zugefrorenen Lake Missouri herum. Da platzt das Eis unter ihnen plötzlich auf und die drei brechen ein. Zwei der Jungen tauchen wieder auf, aber John wird erst nach 15 Minuten von einem Feuerwehrmann aus dem eiskalten Wasser gefischt. Er hat keinen Puls. Auch 45 Minuten später nicht, als die Ärzte ihn für klinisch tot erklären. Als seine Mutter Joyce (Chrissy Metz) zu ihm gelassen wird, um sich zu verabschieden, schreit sie zu Gott. Bitte, fleht sie ihn an, hauche meinem Sohn wieder Leben ein. Und Johns Herz beginnt tatsächlich wieder zu schlagen. Während seine Gemeinde kräftig für ihn betet, erwacht der Junge aus dem Koma und erholt sich vollständig. Ein göttliches Wunder?

Der Film Breakthrough: Zurück ins Leben unter der Regie von Roxann Dawson basiert auf Joyce Smiths Memoiren The Impossible: The Miraculous Story of a Mother’s Love and Her Son’s Resurrection, die sie gemeinsam mit der christlichen Autorin Ginger Kolbaba schrieb. Es ist die Geschichte eines modernen Lazarus, der nach göttlichen Eingriffen von den Toten auferstanden ist. Es ist natürlich in Ordnung, dass die Familie Smith zu dem Schluss kommt, dass ihr Sohn, den sie einst auf einer Missionarsreise in Guatemala adoptiert hatte, durch ein Wunder Gottes gerettet worden ist. Schließlich gab es keinerlei medizinische Erklärung. "Patient starb, Mutter betete, Patient wurde wieder lebendig", schrieb ein behandelnder Arzt in die Krankenakte.

US-Botschafter des christlichen Erbauungskinos

Aber die Filmemacher möchten nicht, dass das Publikum den christlichen Glauben nur als etwas betrachtet, das den Menschen in schwierigen Zeiten Kraft und Hoffnung spenden kann, sie wollen die Zuschauer überzeugen, dass die "richtige" Art von Glauben so stark ist, dass sie Wunder bewirkt. Der Produzent DeVon Franklin bezeichnet seinen Film als eine Art Balsam, den das Land in diesen feindseligen Zeiten brauche. Franklin, ein Prediger, ehemaliger Manager von Columbia Pictures und Autor eines Buchs über das Christsein in Hollywood, ist eine Art US-Botschafter des christlichen Erbauungskinos. Breakthrough zeigt ein bemerkenswert heiles Amerika, eine Welt voller Solidarität, in der es fast schon selbstverständlich erscheint, dass die Gemeinde kollektiv für den Jungen betet. Am Ende konvertieren alle Skeptiker. Sogar der atheistische Feuerwehrmann findet zu Jesus.

Breakthrough ist das jüngste Beispiel einer ganzen Reihe christlich-konservativer Filme, die sich in den USA zunehmender Beliebtheit erfreuen. Zum Kinostart (passend zum Osterwochenende) erzielte er solide 11 Millionen Dollar; im Zuge der Übernahme von 20th Century Fox durch Disney spielte er weltweit über 45 Millionen Dollar ein. Weitere Kassenschlager der vergangenen Jahre wie Den Himmel gibt’s echt (2014) und Himmelskind (2016) handeln ebenfalls von medizinischen Wundern oder Nahtoderfahrungen und fühlen sich an wie Predigten auf der Leinwand. Im Box-Office-Wunder Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott (2017), einer Romanverfilmung von Stuart Hazeldine, trifft sich ein Mann gleich mit der ganzen Dreieinigkeit: Gott, Jesus und dem Heiligen Geist.

Das christliche Kino und die Kommerzialisierung des Glaubens sind so alt wie das Kino selbst, neue Aufmerksamkeit erhielt das Genre 2004 durch das umstrittene Bibelepos Die Passion Christi. Mel Gibson, ein bekennender Katholik, finanzierte das Projekt mit einem Budget von 30 Millionen Dollar aus eigener Tasche und holte sich die Unterstützung von christlichen Institutionen. Sein Film, der die letzten Stunden von Jesus darstellt, wurde als die Wiederauferstehung des Bibelfilms gefeiert. Weltweit nahm er über 600 Millionen Dollar ein.

Ein Jahr nach dem Kinostart von Gibsons Film entstand mit Pure Flix eine christliche Filmproduktionsfirma mit Streamingdienst, eine Art Netflix für Christen. Sie hat sich inzwischen zu einem kleinen Medienimperium entwickelt und bietet heute Filme und Videos mit christlichen Inhalten an, von Predigten des legendären baptistischen Fernsehmissionars Billy Graham bis zu einer Dramaserie mit Antonio Sabàto Jr., dem Schauspieler, der sich auf dem republikanischen Nationalkongress 2016 für Donald Trump einsetzte. Über das Tochterlabel Quality Fix veröffentlichte das Unternehmen auch Death of a Nation, den neuesten Film des rechten Provokateurs Dinesh D’Souza, der argumentiert, dass Donald Trump dem US-Präsidenten Abraham Lincoln und die Demokraten den Nazis ähnlich sind.

Das Schattendasein von Pure Flix endete 2014 mit der Veröffentlichung von Gott ist nicht tot (Nietzsche hätte mit dem Titel wohl keine Freude gehabt), einem der erfolgreichsten christlich motivierten Filme aller Zeiten. In dem Drama geht es um einen evangelikalen Studenten, der sich gegen seinen strengen atheistischen Professor zur Wehr setzt. Der Film, der im didaktischen Stil einer ideologischen Sonntagsschulstunde erzählt wird, wurde von US-Kritikern verrissen, aber christliche Gläubige strömten in die Kinos. In den USA spielte der Film mehr als 60 Millionen Dollar ein – nicht gerade ein Marvel-Mega-Blockbuster, aber ein gutes Ergebnis für ein Projekt, das nur zwei Millionen Dollar gekostet hatte und zwei Fortsetzungen lancierte.

An diesen Erfolg reichen die jüngeren gottesfürchtigen Filme noch nicht heran – aber seit einiger Zeit etabliert sich vor allem im evangelikalen Middle America ein immer größeres Publikum für ihre Inhalte. Die Popularität dieses Glaubenskinos erklärt sich nicht zuletzt durch eine sich verändernde kulturpolitische Landschaft in Trumps Amerika. Und durch eine Zuschauerschaft, die sich vom gottlosen Hollywood übergangen, wenn nicht sogar verfolgt fühlt. Für diese Seelen haben amerikanische Filmemacher und Schauspieler eine komplette Parallelwelt mit einem eigenen Vertriebssystem kreiert. Es gibt christliche Filmfestivals, christliche Produktionsfirmen, christliche Verleiher, einen christlichen Rundfunk. Die Filmemacher schicken nicht selten ihre Filme direkt an die Kirchengemeinden, wo Pastoren sie bei der Sonntagsmesse als wertvoll empfehlen.