Die erste große Botschaft von How To Sell Drugs Online (Fast) versteckt sich im Gespräch zweier Nebendarstellerinnen. Fünfte Folge, solide Gegend, mittelaufregende Geburtstagsparty: "Keine Entscheidung, die wir treffen, hat krasse Konsequenzen", sagt Fritzi zu Lisa, bevor Lisa endlich mit Dan rummacht und Fritzi noch eine Pille schluckt. Das Ecstasy, das sie und alle anderen Möchtegern-Abiturienten einschmeißen, stammt aus einem Onlineshop für Partydrogen, den zwei ihrer Klassenkameraden betreiben. Was man halt so gründet, wenn man glaubt, sich um krasse Konsequenzen nicht sorgen zu müssen.

Moritz (Maximilian Mundt) und Lenny (Danilo Kamperidis) ist alles egal. Die alten LAN-Party-Freunde und Informatiküberflieger eines gutbürgerlichen Gymnasiums durchleben gerade die ersten Sinnkrisen ihrer jeweiligen Leben, als sie auf die Idee mit dem Pillenversand kommen. Moritz wurde von Lisa (Lena Klenke) verlassen, Lenny sitzt schwer krank im Rollstuhl und niemand will in das komische Onlineportal der beiden investieren, bei dem man Zubehör für Rollenspiele oder irgend so einen Quatsch bestellen kann. Also schwenken sie um von Fantasy auf Ecstasy: Das verkauft sich von selbst und verschafft Ansehen bei Mitschülern und Ex-Freundinnen.

Wie bescheuert kann die Grundidee einer Fernsehserie sein? Natürlich niemals auch nur annähernd so bescheuert wie das echte Leben. Die erste deutsche Netflix-Comedy How To Sell Drugs Online (Fast) basiert lose auf der Geschichte des Drogendealers Maximilian S. alias Shiny Flakes, der von seinem Leipziger Kinderzimmer aus fast zwei Jahre lang einen der weltweit größten Onlineshops für Drogen betrieb – bis er im Frühjahr 2015 gefasst und schließlich zu einer siebenjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Am Tag des Zugriffs stellte die Polizei 360 Kilogramm verschiedener Aufputsch- und Beruhigungsmittel in dem Apartment sicher, das der damals 20-Jährige mit seiner offenbar ahnungslosen Mutter bewohnte.

Maximilian S. hat Millionen gescheffelt und angeblich in sein Business reinvestiert. Er beteuert, nicht aus Profitgier gehandelt zu haben, sondern schlicht, weil er es konnte. Die gleiche Verachtung für Staatsgewalt, Betäubungsmittelgesetz und eventuelle Konsequenzen, die aus seinen Aussagen sprach, gibt in abgeschwächter Form auch den Tonfall für How To Sell Drugs Online (Fast) vor. Während sich die halbe Oberstufe an ihren Pillen berauscht, berauschen sich Moritz und Lenny an scheinbarer Unbesiegbarkeit. Sie feiern das Gefühl, den unzumutbaren Erwachsenen (wie etwa Moritz' Polizistenvater) stets einen Schritt voraus zu sein – obwohl sie mit dilettantischen Slapstick-Einlagen immer wieder das Gegenteil beweisen.

Für eine Serie, in der fast alle Protagonisten pausenlos auf Handy- und Laptopbildschirme starren, entwickelt How To Sell Drugs Online (Fast) einen erstaunlich körperbetonten Humor. Vor allem der Bauernhofbetreiber und Teilzeitdealer Buba (Bjarne Mädel als eindeutiger Star der Serie) kommt vor lauter Ohrfeigen, Kopfnüssen und Eiertritten, die er unter Kunden und Partnern verteilt, kaum noch dazu, sein Ecstasy einzutüten oder wenigstens ein paar Kühe zu melken. Als Figur ohne Smartphone bleibt er ein Fremdkörper zwischen all den permanent textenden Millennials. Manchmal scheint es, als verteidige er nicht bloß sein Geschäft gegen die jungen Leute, sondern auch die Ehre der Erwachsenen.