In der allerersten Folge von The Big Bang Theory begegnen die beiden Physiker und Mitbewohner Sheldon und Leonard auf dem Flur ihres Hauses der neuen Nachbarin Penny – und Leonard verliebt sich augenblicklich. Als ich die Serie vor zehn Jahren zum ersten Mal sah, hatte ich gerade angefangen, Informatik und Mathematik zu studieren. Und ich erkannte mich sofort wieder, in Penny: als einzige Frau in einem Raum voller Männer und Whiteboards.

Zwölf Jahre und zwölf Staffeln nach dem Start wird The Big Bang Theory nun zum letzten Mal ausgestrahlt. Die finale Doppelfolge läuft in den USA am 16. Mai auf dem Sender CBS, in Deutschland wird sie erst im Herbst bei ProSieben zu sehen sein. Mehr als ein Jahrzehnt lang gehörte die Serie zu den erfolgreichsten überhaupt. Und zu den teuersten: 900.000 US-Dollar Gage erhielt zuletzt jeder der fünf Hauptdarsteller – pro Episode.

Die Inspiration für die Geschichte um die vier schrägen Wissenschaftler zog der Serienschöpfer Bill Prady aus seiner Zeit als Programmierer in New York. Als er dem Drehbuchautor und Produzenten Chuck Lorre von den Schrullen seiner ehemaligen Kollegen erzählte, war die Idee zur Serie geboren: Im Zentrum stehen die Freunde Sheldon, Leonard, Howard und Raj. Alle vier arbeiten sehr erfolgreich als Wissenschaftler, teilen eine Leidenschaft für Superheldencomics und sind im Umgang mit anderen Menschen eher unbeholfen. Durch die Augen der hübschen Penny finden die Zuschauer und Zuschauerinnen langsam heraus, dass die Vier in Wirklichkeit ganz liebenswürdige Typen sind. 

So wie die weltfremden Naturwissenschaftler in der Serie immer normaler für das Publikum wurden, bekamen auch die so genannten Nerds in der Realität ein neues Image. Auf der Straße trugen mehr und mehr Menschen Röhrenjeans und T-Shirts mit Comicmotiven. Selbst die Hornbrille erlebte ein Comeback. Vielleicht kam die Serie auch einfach zur richtigen Zeit. 2007, als die erste Episode ausgestrahlt wurde, war gleichzeitig das Jahr, in dem Apple sein erstes iPhone verkaufte. The Big Bang Theory erklärte den Nerd zum Helden.

Und trotzdem war es ausgerechnet Penny, mit der ich mich am ehesten identifizieren konnte. Penny, die ihr Geld als Kellnerin in der Cheesecake Factory verdiente und deren schauspielerische Ambitionen von den anderen Charakteren allenfalls belächelt wurden. Die von Physik keine Ahnung hatte.

Stundenlang auf Formeln starren

Erst heute, zehn Jahre später, wird mir die Ironie meiner eigenen Identifikation mit dieser Figur bewusst. Denn ich war ja nicht wie Penny: Gemeinsam hatten wir eigentlich nur, dass wir Frauen waren. Anders als sie schrieb ich selbst komplizierte Formeln auf Whiteboards und Programme, um Roboter zu steuern. Wenn es um Wissenschaft ging, konnte ich mit den Männern um mich herum mitreden. Die in der Serie dargestellte Welt der Nerds war auch meine.

Die vier Freunde aus "The Big Bang Theory" (v.l.n.r.): Raj (Kunal Nayyar), Howard (Simon Helberg), Leonard (Johnny Galecki) und Sheldon (Jim Parsons)

Viele Szenen aus The Big Bang Theory erinnerten mich an meinen Alltag als Studentin: Während ich in meinen Vorlesungen über Algorithmen und UML-Diagramme lernte, entwarf Sheldon in der Serie einen "Freundschafts-Algorithmus". Meine liebste Szene aber war die, in der Sheldon und Raj gemeinsam an einem Projekt arbeiteten und dafür – dramatisch untermalt von dem Rocky-Song Eye of the Tigerstundenlang auf eine Formel starrten. Ich fand das damals eine sehr treffende Darstellung, auch für die Arbeit an meinen Mathe-Übungsaufgaben. Die Serie bemühte sich generell um wissenschaftliche Exaktheit und das gefiel mir: Mit David Saltzberg, der in seinem anderen Leben Professor für Physik und Astronomie an der University of California war, wurde eigens ein wissenschaftlicher Berater engagiert, der sicherstellte, dass selbst auf den Whiteboards im Hintergrund alle Formeln stimmen.