"Carnival Row"

Wer dreht das nächste Game of Thrones? Während HBO dabei ist, seine ungefähr acht potenziellen Spin-offs auf den Weg zu bringen, gibt es bei Amazon Prime jetzt schon einen Anwärter auf den Thrones-Thron. In Carnival Row von René Echevarria (diverse Star-Trek-Formate) und Travis Beacham (Pacific Rim) ermittelt Rycroft Philostrate (Orlando Bloom) in einer Mordserie, die den viktorianisch angehauchten Steampunk-Moloch The Burgue erschüttert. Ein möglicherweise übernatürlich bekräftigtes Schurkenwesen hat es vor allem auf die Schwachen und Schutzlosen in der Stadt abgesehen.

Was im Fall von Carnival Row meistens heißt: auf Feen und Kobolde, die ihren eigenen Kontinent Tirnanoc verlassen mussten, nachdem es dort zu einem Krieg zwischen Soldaten aus The Burgue und einem Militärverbund namens The Pact gekommen war. Als Geflüchtete führen die Fabelwesen in ihrer neuen Heimat oft trostlose Leben: Sie sind Haushälterinnen, Gaukler oder Sexarbeiterinnen. Mehrheitsgesellschaft und Staatsapparat begegnen ihnen, je nach Tagesform, mit subtiler Ablehnung oder offener Feindseligkeit.

Was Carnival Row allegorisch über Kolonialismus, heutige europäische Außenpolitik, darauffolgende Fluchtbewegungen, Fremdenhass und nationale Abschottung zu sagen hat, ist ambitioniert, vermittelt sich jedoch eher mit der Holzhammer-Methode. Sehenswert ist der wilde Ritt trotzdem. Ihr Publikum hält die Serie nämlich nicht nur mit einer komplizierten Anti-Romanze zwischen Philostrate und der Fee Vignette Stonemoss (Cara Delevingne) auf Trab. Sondern auch als Schauerspektakel für Menschen, die gern darüber rätseln, welches Organ wohl der nächsten Leiche fehlen wird.

(Daniel Gerhardt)

Eine ausführliche Rezension von "Carnival Row" lesen Sie hier.

Die acht Folgen von "Carnival Row" laufen auf Amazon Prime.