"Mindhunter 2"

Serienmörder gehen ja immer, am liebsten echte. Derzeit aber nimmt die Faszination für das Böse sonderbare Ausmaße an. Der Vergewaltiger und Frauenmörder Ted Bundy etwa taucht gleich in zwei Serien auf: Mädchenschwarm Zac Efron mimt ihn in Extremely Wicked, Shockingly Evil and Vile als charmanten Kerl mit Waschbrettbauch, während Netflix anlässlich der Dokuserie Ted Bundy: Selbstporträt eines Mörders auf Twitter vor einer Romantisierung des Killers warnt. Der für Blutbäder berüchtigte Charles Manson wiederum taucht in Quentin Tarantinos Once Upon a Time in Hollywood als charismatischer Seelenfänger auf, und sein Darsteller Damon Herriman spielt die Rolle nun gleich noch einmal: in der zweiten Staffel von Mindhunter

Die Herangehensweise an Serienmörder war in der ersten Staffel dieser Serie von Joe Penhall und David Fincher ernüchternd anders als in der Populärkultur sonst üblich. Im Zentrum der Geschichte standen nicht die Killer, sondern die beiden fiktiven FBI-Agenten Holden Ford (Jonathan Groff) und Bill Tench (Holt McCallany), die in den Siebziger- und Achtzigerjahren Pionierarbeit auf dem damals umstrittenen Gebiet des Profiling leisteten. Die Serienschöpfer ließen den "Co-ed Killer" Ed Kemper (Cameron Britton) aus dem Nähkästchen plaudern und enthüllten dessen Selbsttäuschung, wahnhaften Narzissmus und das Gefühl von sexueller und sozialer Ohnmacht.

Die zweite Staffel – mit einem neuen Autorenteam und einem Regie-Trio aus Fincher, Andrew Dominik und Carl Franklin – geht mit einem ähnlich zurückhaltenden Ton und der gewohnt düsteren Optik weiter. Aber auch mit einer Dringlichkeit, die der ersten Staffel gefehlt hat.

Während die lesbische Psychologin Wendy Carr (Anna Torv) vom neuen Chef des FBI (Michael Cerveris) verdrängt wird, weil sie eine Frau ist, untersuchen Ford und sein Partner Tench die Atlanta Child Murders, eine Serie von mehr als 28 Morden an afroamerikanischen Jugendlichen und Erwachsenen, die sich zwischen 1979 und 1981 abspielte. Dabei entdecken sie nicht nur eine Verbindung zwischen Politik, Armut, psychischen Problemen und Rassismus, sondern auch, dass trotz der ausgefeiltesten Profiling-Methoden die dunkelsten Abgründe der menschlichen Natur oft genau das bleiben: dunkel.

(Marietta Steinhart)

Beide Staffeln von "Mindhunter" sind auf Netflix abrufbar.