Gleichstellungsbeauftragte mit Körbchengrößenproblem: Katrin Bauerfeind in der Serie "Frau Jordan stellt gleich". © Christiane Pausch/​Joyn/​ProSieben

"Frau Jordan stellt gleich"

An dieser Serie ist so viel zum Heulen, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Vielleicht gleich mit der Einstiegsszene. Eva Jordan, titelgebende Gleichstellungsbeauftragte einer Kleinstadtbehörde, polstert ihren BH aus und sagt: "Ich hab gleich ein Gespräch mit dem Bürgermeister. Ich passe meine Körbchengröße seinen Dioptrien an." Man muss einfach annehmen, dass Katrin Bauerfeind das Drehbuch nicht gelesen hat, bevor sie ihren Vertrag als Hauptdarstellerin unterschrieben hat. Welche Schauspielerin will ernsthaft im Jahr 2019 noch folgende Dialogzeilen sprechen: "Man kann emanzipiert sein und trotzdem Spaß haben." (Jordan) – "Und warum sehen Sie dann nie so aus, als hätten Sie welchen?" (Kollegin)

Kurz: Frau Jordan stellt gleich ist der peinliche Versuch des Showrunners Ralf Husmann (Stromberg), sich seinem Publikum mit #MeToo-Witzen, "Man wird das ja wohl noch sagen dürfen"-Sprüchen und Kalauern des vergangenen Jahrhunderts anzubiedern. Dann lieber gleich Mario Barth.

(Carolin Ströbele)

"Frau Jordan stellt gleich" läuft ab 23. September auf der Streamingplattform Joyn.

"Tote Mädchen lügen nicht 3"

Tote Mädchen lügen nicht ist die wohl am heftigsten kritisierte Serie der Firma Netflix. Die erste Staffel, erschienen im März 2017, erzählte vom Suizid der Highschool-Schülerin Hannah Baker, die 13 Gründe für ihre Tat in Form von Musikkassetten als Vermächtnis bei ihren Mitschülern hinterließ. Eltern waren entrüstet, Psychologen warnten vor Nachahmerinnen, Forscher kritisierten, dass Hannahs Entscheidung verherrlicht würde.

Tatsächlich gibt es Studien, die zu zeigen scheinen, dass nach der Ausstrahlung der ersten Staffel in Suchmaschinen verstärkt nach Begriffen wie "Selbstmord" gesucht worden ist und dass die Suizidrate im April 2017 (dem Monat nach Ausstrahlung der Serie) unter US-amerikanischen Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 17 Jahren um 28,9 Prozent gestiegen ist. Im Juli dieses Jahres erklärte Netflix schließlich, man habe die Szene, die Hannahs Suizid sehr explizit zeigte, entfernt.

Bei aller Kritik an der ersten Staffel war sie dramaturgisch sehr stringent, spannungsgeladen erzählt und in sich schlüssig. Die zweite Staffel, die vom Prozess gegen Hannahs Vergewaltiger Bryce Walker (Justin Prentice) handelte, fiel dagegen als laue Gerichtsshow deutlich ab.

Staffel 3 schließt nun an das verhinderte Schulattentat an der Liberty High an und erzählt von den Folgen für den Protagonisten Clay (Dylan Minnette) und seine Freunde, die mit der Betreuung des immer noch psychisch instabilen Fast-Amokläufers rund um die Uhr beschäftigt sind. Eine interessante Ausgangslage, doch offenbar ist man bei Netflix nun etwas vorsichtiger geworden im Umgang mit brisanten Themen. Darum wohl lässt der Serienschöpfer Brian Yorkey kurzerhand den Bösewicht Bryce Walker töten und stellt die wenig überraschende Frage: Wer war's? Nachdem das gesammelte Serienpersonal dem Jungen den Tod gewünscht hat, ist genug Verdächtigenmaterial vorhanden, um 13 neue Folgen zu füllen. 

Erzählt wird die Geschichte von einer bisher unbekannten Protagonistin: Ani (Grace Saif) ist das new girl an der Liberty High. Dieser Figur fällt leider nur die undankbare Aufgabe zu, alle anderen permanent zu kommentieren und den Zuschauer mit Kalendersprüchen im Paulo-Coelho-Stil zu martern: "Wir alle haben Geheimnisse, die wir mit uns herumtragen." – "Wir sind alle Lügner" – "Gute Menschen sind nicht von schlechten zu unterscheiden." Mehr als ein klassisches whodunnit mit Kalendersprüchen ist das nicht.

(Carolin Ströbele)

Alle drei Staffeln von "Tote Mädchen lügen nicht" laufen auf Netflix.

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Und was gucken Sie so? Schreiben Sie in den Kommentarbereich, welche Serien Ihnen den Schlaf rauben. Hildegard von Binge dankt es Ihnen.