"Orange Is the New Black"

Orange Is the New Black, eines der ersten Streamingphänomene überhaupt, war immer schon eine einzigartige Serie. Die Schöpferin Jenji Kohan zeigte Frauen in all ihrer Pracht: alt, jung, schwarz, braun, weiß, schwul, hetero, dick, dünn, schamlos, tödlich und auch geisteskrank. Schöngeredet wurde hier nie etwas. Im Gegenteil. Die Gefängnisserie setzte sich mit scharfem Sinn für Humor mit Frauen als Opfer und Täterinnen auseinander, prangerte Diskriminierung aufgrund von Hautfarbe und sozialem Status an und zeigte, wie bitter es um das Justizsystem in den USA bestellt ist. Auch in der siebten und letzten Staffel hält sie der amerikanischen Gesellschaft wieder den Spiegel vor.

Die Stärke von Orange Is the New Black lag immer darin, dort Tragikomik zu finden, wo schon lange niemand mehr etwas zu lachen hat. Die Heldin der ersten Staffeln, die blonde Upperclass-Brooklynerin Piper, ist inzwischen frei, kann das Gefängnis aber nicht wirklich hinter sich lassen, auch weil ihre Ehefrau Alex (Laura Prepon) noch im Knast ist. Zur neuen Hauptprotagonistin avanciert Taystee (Danielle Brooks), die zu Unrecht wegen Mordes an einem Wachmann verurteilt worden ist und daran zu zerbrechen droht.

Interessant und vor allem höchst aktuell ist diese letzte Staffel aber vor allem, weil ein Großteil der Handlung diesmal in einem Internierungslager stattfindet. Dort sitzen Frauen ohne Papiere aus dem Nahen Osten und Mittelamerika fest und werden von Bewachern belästigt, nur um später wieder abgeschoben zu werden. Es ist ein bittersüßer Abschied; aber zu wissen, dass Orange die Fernsehlandschaft für immer zum Besseren verändert hat, macht ihn nicht ganz so schwer.
(Marietta Steinhart)

Die 13 Folgen der 7. Staffel von "Orange Is the New Black" sind auf Netflix abrufbar.