"Another Life"

Netflix scheint einen Großteil seiner Produktionsmillionen für die dritte Staffel von Stranger Things verpulvert zu haben. Die Weltraumserie Another Life von Aaron Martin sieht im Gegenzug dazu nämlich so aus, als habe eine Handvoll Filmstudenten mit viel Pappmaschee und gutem Willen ein Allabenteuer gebastelt. Das sogenannte Artefakt, ein Raumschiff, das am Anfang der Serie auf die Erde fällt, ist ein regenbogenschillernder Glitzerbrocken, der so billig wirkt, dass man ihn fast schon wieder niedlich finden kann. Während ein Team von Wissenschaftlern versucht, den Aliens, die in dem Ding vermutet werden, Reaktionen zu entlocken, indem es ihnen Taubengurren oder Mozarts Kleine Nachtmusik vorspielt (kleiner Spoiler: Mozart works!), wird auf der anderen Seite eine Raummission losgeschickt, die ihrerseits nun den Aliens einen Besuch abstatten soll. Nur mal reden, lautet der Auftrag, vielleicht sind die ja ganz nett.

Man sieht schon, die Storyline von Another Life ist einigermaßen schlicht. Charme besitzt die Geschichte insofern, als sie Rollenmodelle auf den Kopf stellt: Die Mutter Niko (Katee Sackhoff) begibt sich staatstragend auf den Einsatz im All ("Vielleicht kann ich euch alle retten"), während der Wissenschaftlerdad Erik (Justin Chatwin) mit der kleinen Tochter zurückbleibt und versucht, das Artefakt zum Reden zu bringen. Katee Sackhoff, die es als Captain Starbuck in der Serie Battlestar Galactica von 2004 bis 2009 zu einiger Berühmtheit gebracht hat, muss sich auch hier mit den üblichen Meutereien, technischen Defekten und eingeschleppten Weltraumseuchen abmühen. Vor allem aber mit ihrer renitenten Besatzung, die weitgehend aus verwöhnten und sich selbst überschätzenden Millennials besteht. Eine schön trashige Figur gibt zudem Selma Blair als Überinfluencerin Harper Glass ab ("Guten Morgen, meine 250 Millionen Follower!"), die sich in die Alienforschung hineindrängt.

Der Kampf, den Another Life über zehn Episoden führt, ist weniger einer zwischen Aliens und Erdbewohnern als zwischen den Genres Scifi, Action und Komödie. Am besten ist die Serie, wenn sie sich und ihre krude Handlung nicht so ernst nimmt. Unter diesem Vorzeichen kann man auch als Zuschauerin ganz entspannt mitfliegen.
(Carolin Ströbele)

Die zehn Episoden von "Another Life" sind auf Netflix abrufbar.