Der harte Cop mit dem Willen zur Gerechtigkeit, der irisch-katholische Bulle mit Kippe im Mundwinkel, der auch mal ein paar Umschläge einsteckt, nach der Schicht zu viel trinkt und dann seinen schlafenden Kindern einen Kuss auf die Stirn drückt, der schwarze Officer, der sich mit Witz und Widerstand gegen seine weißen Kollegen durchsetzt, der unbestechliche Staatsanwalt in seinem fensterlosen Büro: Diese Figuren gehören zu den Standardcharakteren des Neunzigerjahrefernsehens.

Die Showtime-Serie City on a Hill, die in Deutschland auf Sky zu sehen ist, lässt einige von ihnen nun wiederauferstehen. Hauptprotagonisten der Cop-Story sind Jackie Rohr (Kevin Bacon), ein korrupter FBI-Agent, der nach seinem erfolgreichen Einsatz gegen eine Mafiafamilie in Boston Narrenfreiheit genießt, und der neu ernannte schwarze Bezirksstaatsanwalt Decourcey Ward (Aldis Hodge), der die Korruption in Boston beenden und die überwiegend weiße Machtstruktur der Stadt aufbrechen will.

City on a Hill spielt vor dem Hintergrund zunehmender Drogen- und Gewaltprobleme sowie zunehmender Rassenspannungen in Boston. Diese hatten sich verschärft, nachdem 1989 Charles Stuart seine schwangere Ehefrau ermordet, sich selbst verwundet und dann behauptet hatte, der Mörder sei ein Schwarzer gewesen. Die Polizei ließ sich bereitwillig auf diese Theorie ein und führte ihre Ermittlungen mit Einschüchterung und Gewalt durch. Ein schwarzer Verdächtiger kam nur deshalb frei, weil Stuarts Bruder, der in die Sache verwickelt war, schließlich die Wahrheit gestand.

Mit dem neuen Bezirksstaatsanwalt Decourcey Ward will die Stadt nicht nur ein Zeichen setzen, sie hofft auf ein Wunder. Und genau dieses "Wunder von Boston" werden Ward und sein späterer Verbündeter Jackie Rohr vollbringen. Die Partnerschaft zwischen dem idealistischen schwarzen Gerechtigkeitsfanatiker und dem verbitterten weißen Agenten ist die Geburtsstunde der Operation Ceasefire – einer Initiative, die in den Neunzigern tatsächlich die Mordrate der Stadt drastisch senkte.

In der Serie müssen die beiden zunächst eine Reihe von Raubüberfällen lösen, hinter denen die Brüder Frankie (Jonathan Tucker) und Jimmy Ryan (Mark O'Brien) stecken. Hier verlässt City on a Hill die reine Cop-Perspektive, man sieht das Geschehen nicht nur aus der Sicht des FBI-Agenten und des Staatsanwalts, sondern auch aus der des Verbrechers. Frankie ist ein guter Vater, ein liebevoller Ehemann, ein treuer Bruder, ein Lebensmittellieferant – und ein Dieb und Mörder.

Wohlwollend könnte man anmerken, dass der Serienschöpfer Chuck MacLean und der Showrunner Tom Fontana (Oz, Homicide), ein Vorbereiter der klassischen Milieu-Dramaserie, durch die vielen verschiedenen Handlungsstränge und den Einsatz von sehr viel Bostoner Slang das erreichen wollten, was David Simon in The Wire in Baltimore getan hat: in einem undramatischen Erzählmodus einen Blick darauf werfen, wie juristische, kriminelle und politische Institutionen sich gegenseitig beeinflussen. 

City on a Hill ist aber bei Weitem nicht so scharf gezeichnet wie David Simons Epos über den Niedergang der amerikanischen Großstadt. Vielmehr wird so ziemlich jedes Klischee erfüllt, das man mit dem alten Boston verbindet, einschließlich der Rockband Boston auf dem Soundtrack: taffe Bullen und irisch-katholische Schlägertypen. In dieser Welt ist ein aufmerksamer Ehemann einer, der seine Frau nicht mit einer Geschlechtskrankheit anstecken will, die er sich von einer Prostituierten geholt hat.