Zum anderen bewegen sich die Autochthonen kaum raus aus den Umrissen, die ihnen das jeweilige Rollenprofil zuschreibt. Die Figuren bleiben vage, was den Vorteil hat, dass sich damit alle die Chancen bewahren, Täterin gewesen zu sein. Es gibt aber auch einen Nachteil, der leider überwiegt: Man verliert bald das Interesse, obwohl es einer ja gewesen sein muss.

"Alle reden viel, aber keiner sagt was", stöhnt Brasch zwischendurch und die Betrachterin mit ihr. Weil klar ist, dass etwas nicht stimmt, wenn keiner traurig ist oder aufgeregt, sondern jeder abweisend und genervt. Also hochgradig dubios.

Eine Baumarkt-Küche von Kriminalfall

So wirkt der Polizeiruf ein wenig, als habe er vergessen, das Scharnier für die Spannung einzubauen in seine Baumarkt-Küche von Kriminalfall: Nachdem das Ermittlerteam einmal durch ist mit allen Befragungen, öffnet sich eigentlich keine Ahnung, wie die Tat noch aufgeklärt werden könnte, bevor der Film zu Ende ist. Brasch und Köhler haben nichts mehr zuzusetzen, wie es in der Diktion von Sportreportern heißt. Darüber können einem die 90 Minuten relativ lang werden – wo alles im Allgemeinen und Schemenhaften verharrt, hätten es 60 oder 45 auch getan. Zum Glück erbarmt sich die Außenseiterin und schickt die Hand. Am Ende dann Aussprache in großer Runde, bei der die Bäckersfrau schließlich gesteht.

Wo die Leiche abgeblieben ist, muss im Epilog noch durch vermeintlich cleveres Kombinieren erklärt werden (in der Biogasanlage, deren Betreiber die anderen Parteien dafür sein dringend benötigtes Geld überweisen). Dabei wurde das Fass mit Rehberg doch öffentlichkeitswirksam auf einem Traktoranhänger abtransportiert, als die Polizei gerade einen Großeinsatz veranstaltete.

In manchen Momenten entsteht so der Eindruck, dass der Film als Komödie mehr Potenzial gehabt hätte – darüber, wie eine unterkomplexe Ermittlung an unterkomplexen Figuren scheitert. Immerhin: Die gleichförmige Universalität der Geschichte wird von der auf Kino getrimmten Schickheit der Bilder (diese geometrischen Drohnenaufnahmen von Fahrzeugbewegungen!) und dem geschäftigen Soundtrack (Musik: Sebastian Fillenberg) adäquat in Szene gesetzt (Regie: Leinemann). Mörderische Dorfgemeinschaft bildet überzeugend den Stand von um Schönheit bemühten, zeitgenössischen filmischen Möglichkeiten ab, die auch in Werbevideos zum Einsatz kommen könnten.

Versonnen verabschiedet sich dieser Polizeiruf mit Ronald Zehrfeld als Rahmenhandlungsjäger, der einem Wolf nachspürt. Der vielleicht wahrscheinlich als Metapher für Jurij Rehberg gelesen werden können müssen sollte. Nichts Genaues aber weiß man nicht.