Elisabeth Moss, Hauptdarstellerin und Produzentin der Serie © Hulu

The Handmaid's Tale ist in den USA längst keine gewöhnliche Serie mehr, sondern ein gesellschaftskritischer Kommentar. Im Februar schaltete die Plattform Hulu während des Super Bowl zur besten Sendezeit einen Trailer zur dritten Staffel, eine bittere Satire auf Ronald Reagans legendären Wahlwerbespot It's morning in America aus dem Jahr 1984. Während Reagan damals ein Heile-Welt-Amerika in Pastellfarben zeichnete, sieht man im Hulu-Spot eine verwüstete, dystopische Welt, in der den Mägden ihre Kinder weggenommen werden und Systemgegnerinnen auf radioaktiv verseuchten Feldern arbeiten müssen. "Wach auf, Amerika", hört man schließlich die Hauptdarstellerin Elisabeth Moss sagen, "der Morgen ist vorbei."

Das übergeordnete Thema der dritten Staffel ist der Widerstand gegen das brutale System. June wird als Anführerin einer möglichen Revolution in Stellung gebracht, als "einzige Person, die von innen in das System eindringen kann", wie ihre Darstellerin Moss sagt.

Die Uniform als Zeichen des Widerstands

Die blutrote Uniform der Mägde ist auch in der amerikanischen Zivilgesellschaft zum Symbol des Widerstands geworden – gegen die Frauenfeindlichkeit der Trump-Regierung. Demonstrantinnen tragen sie vor US-Gerichten, auf Märschen und in Hollywood. "Ich bin stolz darauf, dieses Kostüm anzuziehen; es gibt mir Kraft", sagt Moss.

Inzwischen setzen sich die Stars der Serie auch gezielt für Frauenrechte ein. "Dies ist kein Buch. Dies ist keine TV-Serie. Dies ist Amerika. Dies ist unsere Realität", heißt es etwa in einem Werbespot für die Frauengesundheitsorganisation Planned Parenthood, in dem Moss, Whitford und weitere Stars der Serie gegen die aktuelle Abtreibungspolitik protestieren. In einem kurzen Video erklären sie, warum der Zugang zu legalen Abtreibungen ein Grundrecht für Frauen ist. "Wenn wir anfangen, den Zugang zur Abtreibung einzuschränken, kommt unser Land Gilead einen Schritt näher. Und das dürfen wir nicht zulassen."

In der Serie wird der Staat Gilead immer isolierter, "ein totalitärer Atomstaat", wie der Showrunner Bruce Miller sagt. Doch kein totalitärer Staat erlangt die vollkommene Kontrolle über seine Gesellschaft ohne die Komplizenschaft der Frauen. Tante Lydia (Ann Dowd), Herrscherin über die Mägde, ist einer der brutalsten Charaktere der Serie. Etwas zwiespältiger ist die Figur von Serena Joy (Yvonne Strahovski) angelegt, die geholfen hat, Gilead aufzubauen, und ihren Ehemann darin unterstützt, die Familienmagd June zu vergewaltigen. Auch dieser Aspekt der Serie hat eine aktuelle Tangente: immerhin haben bei der US-Wahl weiße Frauen mehrheitlich für einen frauenfeindlichen Präsidentschaftskandidaten gestimmt.

The Handmaid's Tale wird weitergehen, eine vierte Staffel ist für 2020 geplant. Zuvor wird Margaret Atwood am 10. September die literarische Fortsetzung ihres Romans mit dem Titel Die Zeuginnen vorstellen. An Vorbildern für eine weitere Dystopie dürfte es ihr nicht gefehlt haben.

Die 13 neuen Folgen von "Der Report der Magd" sind auf dem Streamingportal Magenta TV zu sehen. Auf dem Sender Tele 5 wird die erste Staffel ab 18. Oktober zu sehen sein.