Jedes Jahr zum 3. Oktober muss ein Film in der ARD ran, um den Leuten vor dem Bildschirm zu beweisen, dass Nationalfeiertag ist. Dieser Film spielt eigentlich fast immer in der DDR; Deutsche Einheit bedeutet so gesehen, dass das, was mal DDR war, die Seite gewechselt hat und nun dazugehört. So wird an jedem 3. Oktober der Kalte Krieg aufs Neue gewonnen.

Ums Seitewechseln geht's auch in Wendezeit (RBB-Redaktion: Kerstin Freels, Degeto-Redaktion: Christine Strobl). Saskia Starke (Petra Schmidt-Schaller) arbeitet Ende der Achtzigerjahre bei der CIA in Westberlin, macht das aber eigentlich für die Stasi im Ostteil der Stadt. Mit direktem Draht zu Markus Wolf (Robert Hunger-Bühler), dem legendären Chef des DDR-Auslandsgeheimdienstes Hauptverwaltung Aufklärung (HVA).

Im Herbst 1989 kommt die Information, dass ein Überläufer aus dem Osten einen Maulwurf bei der CIA enttarnen will. Weshalb Saskia Starke, die mit einem Amerikaner verheiratet ist (Harald Schrott), sich von der Party im eigenen Hause kurz zurückzieht, um den Überläufer zu erledigen (Marc Hosemann stirbt mal wieder früh). Damit ist das Problem der Entdeckung aber noch nicht aus der Welt: Die Suche nach dem Maulwurf wird von dem neuen Leiter der CIA-Residentur (Ulrich Thomsen) forciert. Starke muss fortan unter gesteigerter Aufmerksamkeit dafür sorgen, dass ihre Akte mit dem Klarnamen nicht in die Hände der Amerikaner gerät. Im richtigen Leben ging diese unter dem Namen "Rosenholz-Dateien" in die geheimnisumwitterte Geheimdienst-Geschichte ein. 

"Eine fiktionale Geschichte, inspiriert durch wahre Begebenheiten" steht als Insert am Anfang des Films (Drehbuch: Silke Steiner, nach einer Idee von Steiner und Michael Dreher). Zur Anregung des Projekts dürfte auch die Fernsehserie The Americans beigetragen haben, in der ein russisches Paar mit Kindern, das zur Tarnung ein Reisebüro betreibt, nebenher munter für den KGB spioniert. Dauernd müssen Keri Russell und Matthew Rhys in neuen Verkleidungen Informationen beschaffen, Leute umbringen oder andere Probleme lösen.

Gemessen an dem in seiner Mechanik wirkungsvollen doppelten Spiel von The Americans macht sich Wendezeit die Sache etwas einfacher. Starke wird zwar gezeigt, wie sie mithilfe einer Ampulle glaubhaft Übelkeit erzeugt, und später, wie sie sich nach der Rückkehr in die Villa noch einmal ins Bett entschuldigt. Aber sonst ist ihre Abwesenheit eher spannungslos inszeniert (Regie: Sven Bohse).

Dabei will Wendezeit ein Thriller sein, ein Film also, bei dem die einzelkämpfende Protagonistin versucht, in das System wieder hineinzukommen, das sie auszuspucken droht. Gerade die Genreelemente gelingen dem Film eher schlecht als recht, obwohl er statt der üblichen 90 Minuten zwei Stunden Zeit hat für seine Erzählung.