Dass deutlich weniger Frauen zu sehen sind, und das in weniger anspruchsvollen Rollen, liegt sicherlich daran, dass sie auch hinter der Kamera weniger Einfluss auf die Filme haben als Männer. Nicht ein einziger der weltweit 56 umsatzstärksten Filme 2018 wurde unter der Regie einer Frau gedreht. Nur jeder vierte Film hatte zumindest eine Produzentin im Team und nur bei jedem zehnten Drehbuch war eine Frau beteiligt.

Das gilt im Übrigen auch für Deutschland: Unter den 50 erfolgreichsten Filmen an den deutschen Kinokassen 2018 wurden nur drei Drehbücher von einer Frau allein verfasst. Bei den deutschen Produktionen war das die Hape-Kerkeling-Romanverfilmung Der Junge muss an die frische Luft (Ruth Toma), bei den internationalen die Märchenadaption Die Nussknacker und die vier Reiche (Ashleigh Powell) sowie Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen – dort diktierte die Autorin allerdings mehr als nur das Drehbuch: Es handelte sich schließlich um Joanne K. Rowling.

An dieser Aufzählung lässt sich auch ablesen, dass Frauen vor allem an Familien- und Kinderfilmproduktionen beteiligt sind. Männlich konnotierte – und mit höheren Budgets ausgestattete – Genres wie Action und Science-Fiction liegen hingegen noch immer in der Hand von Regisseuren und Drehbuchautoren. Die Geschlechtertrennung hält sich mithin sogar an Genregrenzen.

Doch gab es in der jüngeren Vergangenheit nicht auch starke Frauenfiguren wie Wonder Woman und die Rächerin Mildred Hayes in Three Billboards Outside Ebbing Missouri? Ja, es gab sie und sie wurden bejubelt. Doch können diese Produktionen nicht darüber hinwegtäuschen, dass starke Akteurinnen immer noch eine Minderheit darstellen. Und selbst wenn es sie gibt, werden sie häufig sexualisiert dargestellt.

Was sich indes tatsächlich verändert, zeigt die Studie, ist die Einstellung der Zuschauerinnen und deren Reaktion auf die Klischees. Die von Plan International im Rahmen der Studie befragten 10.000 Frauen und Mädchen gaben relativ einhellig an, dass sie sich vielschichtigere weibliche Charaktere auf der Leinwand wünschten. Außerdem beklagten viele der Befragten, dass Frauen häufig als passiv dargestellt würden und die Rollen zu sehr auf den männlichen Helden bezogen seien. Die 19-jährige Marelin aus der Dominikanischen Republik etwa sagt: "Ich würde gern Filme sehen, die Frauen unternehmerischer, entschlossener, stark und einflussreich darstellen." Eine 21-Jährige aus Vietnam findet: "Regisseure sollten nicht nur Liebes-, Familien- oder Heiratsgeschichten mit Mädchen und Frauen drehen, sondern zeigen, welche Träume, Ambitionen und Karrierewünsche sie haben." Eine 19-Jährige aus Uganda beklagt: "In allen Filmen, die ich sehe, brauchen Mädchen die Hilfe von Jungen oder Männern. Und sie erreichen nichts, während Jungen alles bekommen, was sie möchten." Und in Indien sieht eine 18-Jährige einen Zusammenhang zwischen den Bildern im Film und der Realität: "Frauen werden meistens auf Tanzrollen reduziert und als begehrte Objekte dargestellt. Auf der Leinwand und im richtigen Leben werden Frauen entwertet. Das muss sich ändern."

Das Bedürfnis nach Vorbildern, nach Frauen, "die es geschafft haben", spiegeln auch die Kommentare erfolgreicher Regisseurinnen, die im Resümee der Kinderrechtsorganisation erwähnt werden. "Es ist total wichtig zu sehen, dass andere Frauen erfolgreich sind", sagt die 42-jährige Filmemacherin Melina Leòn aus Peru. "Einige Leute sagen mir, dass es sie ermutigt hat, dass ich die erste peruanische Frau war, die einen Film in Cannes gezeigt hat." Die 35-jährige indische Produzentin Guneet Monga sagte Plan International, ihr sei erst in den vergangenen zwei Jahren, infolge der #MeToo-Debatte, klar geworden, wie sehr Männer die Narrative kontrollierten und wie sehr Frauen diesen Narrativen unterworfen waren. "Mir war gar nicht aufgefallen, wie wenig indische Filme von Frauen gedreht wurden." Sie selbst produziere nun verstärkt mit Frauen.

Genau hierin liegt mutmaßlich auch die Lösung des Problems: Wer will, dass Mädchen und Frauen interessante, vielfältige Frauenfiguren zu sehen bekommen, muss solche Figuren schreiben, produzieren, inszenieren – am einfachsten, indem Frauen an sämtlichen Entstehungsprozessen eines Films beteiligt werden. Die Zuschauerinnen können es kaum erwarten.