An den Münchner Kammerspielen läuft seit diesem Jahr eine neue Inszenierung von Susanne Kennedy. Sie heißt Drei Schwestern, wie das Drama von Anton Tschechow, handelt aber eher von der erfolgreichen Aufführungsgeschichte des Stücks. Die Drei Schwestern sind bei Kennedy zur dauernden Wiederholung verdammt, in einem Loop gefangen, weil sie jedes Mal, wenn das Stück wieder auf einen Spielplan kommt, doch wieder nicht "nach Moskau" kommen werden.

Mit der DDR im deutschen Film verhält es sich nicht unähnlich. Sie ist tot, muss aber immer wieder sterben. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls legt das ZDF nun unter dem nichtssagenden Titel Preis der Freiheit (Redaktion: Caroline von Senden, Solveig Cornelisen) einen ebensolchen Dreiteiler vor. Im Mittelpunkt des Films stehen: drei Schwestern.

Margot (Barbara Auer), Lotte (Nadja Uhl) und Ina (Nicolette Krebitz), die früher mal Silvia hieß und angeblich bei einem Unfall ums Leben gekommen ist, tatsächlich aber unter neuer Identität im Westen lebt. Alle drei stammen von verdienten antifaschistischen Widerstandskämpfern ab, weshalb jemand "roter Adel" sagt, als Buchhändlerin Lotte sich Ende der Achtzigerjahre der umweltbewussten Bürgerrechtsbewegung anschließt.

Margot ist dagegen mit einem rührenden Kombinatsdirektor (Joachim Król) verheiratet und arbeitet in der Devisenbeschaffung fürs finanziell klamme Land – der "Kommerziellen Koordinierung", deren Chef Schalck-Golodkowski (Thomas Thieme) sie "Alex" nennen darf. Ina-Silvia ist derweil für die BRD in die Geschäfte durch die Mauer hindurch verwickelt – den Häftlingsfreikauf etwa, mit dem sich die DDR Westmark besorgt.

Preis der Freiheit tut so, als ob der Film etwas anderes wäre als das schon existierende Restprogramm in der ewigen Wiederkehr von DDR-Beerdigungsfilmen. Gabriela Sperl, Produzentin und Drehbuchmitautorin (neben Michael Klette, Charlotte Wetzel und Regisseur Michael Krummenacher), hat ihre "Producer's Note" zwar scheinbar an die aktuelle Katerstimmung in Bezug auf 1989/90 angepasst ("Fast 30 Jahre später ist von der Euphorie, dem Aufbruch von 1989, wenig übrig. Die Welt ist in Unordnung").

Letztlich soll aber das gemacht werden, was immer gemacht wurde. Sperl: "Ich glaube fest daran: Nur dann, wenn wir nach nunmehr 30 Jahren Brücken schlagen und damals geschehenes Unrecht adressieren, über das hartnäckig geschwiegen wird, werden wir Versöhnung finden und die Wende feiern können als das, was sie wirklich war: das Ende eines Unrechtssystems und die Möglichkeit für alle, in einer freien demokratischen Gesellschaft zusammenzufinden."

Das damals geschehene Unrecht ist in den ewig gleichen DDR-Verendungsproduktionen permanent adressiert worden. Man würde aber schon gern wissen, wie das mit dem "Brücken schlagen" etwas werden soll, wenn immerzu die Geschichte aus der seit "Das Leben der Anderen" etablierten Westsicht im erschöpfend übersichtlichen, auf Schriftgröße 24 gestellten Spannungsfeld von Repression und Widerstand gelesen wird.

Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über "Tatort" und "Polizeiruf 110". Auf ZEIT ONLINE seit 2016 in der Kolumne "Der Obduktionsbericht". © Daniel Seiffert

Als innovativ gilt vermutlich schon, dass Preis der Freiheit die Wirtschaftsgeschichte streift und Schalck-Golodkowski als BND-Agenten zeichnet oder den reformwilligen Gerhard Schürer, Chef der Staatlichen Plankommission, als Figur aufbietet (dass ausgerechnet Milan Peschel, einer in seiner Nöligkeit, Verzweiflung und Aggression lustigsten und vitalsten Schauspieler, Schürers Politbüro-Grauheit verkörpern soll, ist schon ein Spaß für sich).

An das Schillern, an die Brisanz von Strippenziehern wie Schalck-Golodkowski und dem Häftlingsfreikauf-Anwalt Wolfgang Vogel kommt die breiige Erzählung und die biedere Inszenierung aber eh nie heran, auch wenn Vogel im Film zur Wiedererkennbarkeit seinen goldenen Mercedes vorzeigen darf. Geschichte ist hier ein Eintopf aus Gefühlchen, auch wenn stolz gleich vier historische Fachberater in den Credits aufgelistet werden.