Verlieren Sie langsam den Durchblick zwischen all den horizontalen und vertikalen Serien auf Netflix, Amazon, Sky und im Free-TV? Oder sind Sie einfach nur auf der Suche nach gutem Fernsehen, wollen womöglich sogar gepflegtes Binge-Watching betreiben? In unserer Serienkolumne besprechen wir die interessantesten Neustarts des Monats.

"Wasteland"

Wenn man einen Preis für den besten Serienvorspann vergeben könnte, wäre Wasteland – Verlorenes Land (produziert von HBO Europe) definitiv der Gewinner dieses Monats. Endlich fliegen mal nicht die obligatorischen Symbolbilder in Zeitlupe durch den Raum und verschwimmen in den Gesichtern der Protagonisten. Hier sieht man wie in einem Fotoband einzelne Szenenbilder, die auch tatsächlich später in der Serie vorkommen, die aber vor allem die Stimmung der tschechischen Miniserie perfekt transportieren.

Wasteland ist, wie der Name schon ahnen lässt, nicht allzu heiter. Im tschechischen Dorf Pustina gibt es ein Heim für schwer erziehbare Jungen, einen Lkw-Straßenstrich, und der Wirtshaussport ist Biersuppe löffeln. Den einzigen Lichtblick verspricht – ausgerechnet – der Kohletagebau, der zwar neue Arbeitsplätze schaffen, aber den Großteil der Bürgerinnen und Bürger heimatlos machen würde. 

Die Bürgermeisterin Hanka Sikorova (Zuzana Stivínová) versucht, das Vorhaben zu verhindern und bringt damit den Großteil ihrer Bürger gegen sich auf. Als ihre 14-jährige Tochter Misha verschwindet, liegt ein politischer Hintergrund nahe. Der Autor Štěpán Hulík und das Regieduo aus Alice Nellis und Ivan Zachariáš zeichnen das Sittengemälde eines Ortes, der vor der Auslöschung steht. Trotz dieser Ausgangslage begleitet man als Zuschauerin die Protagonistinnen gern, und möchte – zumindest nach den ersten beiden vorab gezeigten Folgen – wissen, ob nicht doch noch Hoffnung besteht für dieses Wasteland.
(Carolin Ströbele)

Die acht Folgen von "Wasteland" sind ab 5. Dezember bei Magenta TV, dem Streamingportal der Deutschen Telekom, abrufbar.