In Georgien sind bei Protesten gegen einen Film über die Liebe zweier schwuler Tänzer 27 Menschen festgenommen worden. Zwei Polizisten seien verletzt worden, als sie am Freitagabend die Premiere des Dramas Als wir tanzten (And then we danced) schützten, teilte das Innenministerium in der Hauptstadt Tiflis mit. Gegner des Films riefen nach Berichten georgischer Medien vor Kinos "Schande" und setzten ein Feuerwerk ein. Weitere Vorstellungen am Wochenende verliefen trotz Protesten zunächst ohne größere Zwischenfälle.

Der Film des schwedischen Regisseurs Levan Akin wurde in fünf unter Polizeischutz stehenden Kinos in Georgien gezeigt. Nach Angaben der Organisatoren waren alle Tickets im Vorfeld ausverkauft. Das in Georgien spielende Drama erzählt, wie sich ein angehender Tänzer des georgischen Nationalballetts in Tiflis in einen anderen Studenten verliebt. Der Film feierte in diesem Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes Premiere. Levan Gelbakhiani, der Hauptdarsteller in Als wir tanzten, ist außerdem für den Europäischen Filmpreis in der Kategorie "Bester Schauspieler" nominiert, der am 7. Dezember in Berlin vergeben werden soll. Der Film soll im Frühjahr 2020 in die deutschen Kinos kommen.

Zu den Protesten in Tiflis hatten Nationalisten aufgerufen. Sie behaupteten, der Film verstoße gegen georgische Traditionen. Außerdem gebe es im Nationaltheater keine schwulen Tänzer. Die orthodoxe Kirche in dem Land bezeichnete das Liebesdrama als inakzeptabel, distanzierte sich Berichten zufolge aber von Gewalt. Die US-Botschaft in der am Kaukasus gelegenen Ex-Sowjetrepublik hatte dazu aufgerufen, größere Versammlungen zu meiden, weil dort die Gefahr von Gewalt bestehe.

Korrektur: In der ersten Fassung dieser Nachricht hatten wir geschrieben, dass der Film im August 2019 in die deutschen Kinos kam. Das ist nicht ganz korrekt, er feierte im August seine Deutschlandpremiere nur auf einem kleinen Filmfestival. Ins reguläre Kino soll er 2020 kommen.