Die Déjà-vu-Wochen im ARD-Sonntagabendkrimi gehen weiter. Zwar tritt in der Greater-Hamburg-Folge Querschläger (NDR-Redaktion: Donald Kraemer) weder eine Figur von früher noch ein behaupteter Freund von damals auf. Dafür erscheint mit Milan Peschel ein alter Bekannter in seiner Tatort-Paraderolle.

Peschel spielte schon in dem legendären Schweighöfer-Tatort: Weil sie böse sind einen Vater mit krankem Kind, der Geld brauchte. Das bekam er in dem aufreizend pragmatischen Umverteilungsklassiker von einem Sohn aus besserem Hause (eben: Schweighöfer), der die jahrhundertelange Ungerechtigkeit, auf die seine Familie ihren Reichtum gründete, mit einem radikalen Kürzungsplan bearbeiten wollte: der Abschaffung dieser Familie. Und als Mordwerkzeug diente ihm dabei Peschel.

Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über "Tatort" und "Polizeiruf 110". Auf ZEIT ONLINE seit 2016 in der Kolumne "Der Obduktionsbericht". © Daniel Seiffert

In Querschläger hat der Peschel-Vater, der hier Steffen Thewes heißt, wieder ein Kind mit seltener Krankheit, deren Heilung nur eine 300.000 Euro teure Operation in den USA verspricht. So viel Geld bringt Thewesens Arbeit beim Zoll allerdings nicht ein, weshalb er sich dort eine Spedition ausguckt, die erpresst werden kann.

Unregelmäßigkeiten sind bei dem Betrieb von Cem "Jimmy" Aksoy (Eray Eğilmez) aufgefallen, weshalb Thewes den Unternehmer durch Heckengeschieße auf dessen Lkw zu erpressen versucht. Tatsächlich ist der Anfang des Films schön erzählt, weil Grosz (Franziska Weisz) und Falke (Wotan Wilke Möhring) bei der Unterstützung von Kollegen auf dem Rastplatz gezeigt werden, auf dem das ermittlungsstiftende Verbrechen erst geschieht. Thewes schießt auf einen der Jimmy-Lkws, durch den titelgebenden Querschläger wird der Fahrer verletzt.

Der Reiz der Anlage erklärt sich aus der Abweichung vom klassischen Täterraten. In parallelen Montagen sieht die Zuschauerin in Querschläger der Polizei bei der Arbeit zu und dem Täter beim Versuch, seinen Plan zu Ende zu bringen. Das Problem bei Erpressung besteht bekanntlich in der Geldübergabe, bei der Jimmy im angezeigten Papierkorb statt der geforderten Scheine Papierbündel deponiert.

So wird relativ frühzeitig die Autorität des Täters untergraben. Das ausgesuchte Opfer hat einfach zu wenig Angst, was sich am Schluss, wenn beide Erzählstränge in die Auflösung münden, noch einmal demonstriert wird. Dann ballert Thewes auf das Jimmy-Headquarter, aber anstatt sich zu ducken, tritt der Chef an die frische Luft und geht mit erhobenen Armen in Richtung des Schützen. Der der Aufforderung, doch zu schießen, aber nicht folgt.

Spätestens an dieser Stelle hat der Tatort sein, nie war das Bild treffender, Pulver in Sachen Spannung verschossen. Es ist ein Problem der letztlich zu ungenauen Konstruktion (Drehbuch: Oke Stielow, Regie: Stephan Rick), dass man dem Film am Ende wünscht, er hätte sein Ding in 60 statt 90 Minuten durchziehen können. Thewes erscheint – auch mit Blick auf die Prominenz, die ihm der Tatort durchs Mitmischen von Beginn an gestattet – als zu eindimensionaler Charakter, der seinen "Matchplan" (Thomas Tuchel) nicht variieren kann, wenn der Gegner seinerseits presst.