Das Neondeckenlicht tut in den Augen weh, die Lampen auf den militärisch in Reihen aufgestellten Schreibtischen sind uralt, die Computer augenscheinlich billig. Die sechs Senatsmitarbeiter, die in diesem fensterlosen Kellerloch ihren Auftrag erledigen müssen, sollen offenkundig dazu animiert werden, möglichst schnell wieder zu verschwinden. Die CIA mag es nicht, wenn man ihr hinterherrecherchiert und zum Beispiel fragt, mit welchen Methoden der Geheimdienst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 versucht hat, Terrorverdächtige auf der ganzen Welt in Geheimgefängnissen zum Reden zu bringen. Jedenfalls sieht es in dem Spielfilm The Report nun so aus, als habe die CIA später eine Sache besonders interessiert: dass ihre vor allem dunkelsten Geheimnisse geheim bleiben.

Der Film ist eine Art Rekonstruktion einer Rekonstruktion: Er erzählt die wahre Geschichte der rückwirkenden Ermittlungen, die der Geheimdienstausschuss des US-Senats zu den sogenannten "enhanced interrogation techniques" anstrengte, den "erweiterten Befragungstechniken", die der CIA in der Regierungszeit des Präsidenten George W. Bush gestattet wurden. Bushs Nachfolger Barack Obama hat sie als eine seiner ersten Amtshandlungen im Januar 2009 untersagt. Vor allem die Demokraten im Senat wollten aber genauer wissen, was die CIA mit Terrorverdächtigen angestellt hatte. Und ob die "erweiterten Befragungstechniken" der CIA irgendwelche sachdienlichen Hinweise erbracht hatten, zum Beispiel über mögliche Anschlagspläne von Al-Kaida.

Sechs Senatoren – drei der Demokraten, aber auch drei der Republikaner – stellten je einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin für die Untersuchung zur Verfügung. Diese Ermittlungsgruppe wurde jedoch schon bald kleiner, die Republikaner zogen ihre Leute noch 2009 aus Protest darüber ab, dass Obamas Justizminister Eric Holder eigene Ermittlungen in der Foltersache eingeleitet hatte. Am Ende schrieb nur ein einziger Mann den 6.700 Seiten umfassenden sogenannten CIA-Folterbericht, den für den Film titelgebenden Report. Das Opus magnum dieses Daniel Jones, eines Mitarbeiters der Senatorin Dianne Feinstein, der damaligen Vorsitzenden des Geheimdienstausschusses, war zwar Ende 2012 fertig, ist aber bis heute geheim. Ende 2014 wurde lediglich eine rund 500-seitige Zusammenfassung veröffentlicht.

Daniel Jones ist der uneingeschränkte Held von The Report, dem sehr späten Regiedebüt des erfahrenen amerikanischen Drehbuchautoren Scott Z. Burns (Das Bourne Ulitmatum, The Informant!, Contagion). Adam Driver spielt Jones mit allmählich ansteigender, aber niemals unkontrollierter Wut. Je länger er sich mit den Folter-Dokumenten der CIA beschäftigt, desto entschlossener scheint er zu sein, bloß nicht damit aufzuhören. In einer Szene des Films wird Jones beim Verlassen des CIA-Gebäudes von einem Wachmann gefragt, ob er eigentlich noch etwas anderes tue als arbeiten. Nein, sagt Jones, er habe es mal mit Schlafen versucht, aber irgendwie sei das nichts für ihn. Etwas Manisches muss der echte Jones auf jeden Fall haben, er hat sich durch 6,3 Millionen Seiten von CIA-Dokumenten gewühlt für den Bericht, drei Jahre hat das gedauert.

Wie sehr sich Burns diese Akribie für seine Idee von größtmöglicher Faktentreue anverwandelt hat, offenbart er in einer kurzen Szene: Daniel Jones sieht Zero Dark Thirty im Fernsehen, es muss das Jahr 2014 sein. Man kann diese Szene in The Report nur als Kritik verstehen an dem Film, den die Regisseurin Kathryn Bigelow im Jahr 2012 gedreht hat über die jahrelange Suche der CIA nach dem Al-Kaida-Gründer Osama bin Laden und dessen Tötung am 2. Mai 2011 durch eine Einheit der Navy Seals im pakistanischen Abbottabad. Zero Dark Thirty sollte ebenfalls eine Rekonstruktion wirklicher Geschehnisse sein, doch Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal gestatteten sich zum Beispiel die Freiheit, ihre Protagonistin, die von Jessica Chastain gespielte CIA-Analystin Maya, offenkundig aus mehreren lebenden Personen zusammenzusetzen.

The Report ist nun so etwas wie der Komplementärfilm zu Zero Dark Thirty, er erzählt Teile derselben Historie aus einem anderen Blickwinkel; er ist in mancherlei Hinsicht sogar dessen ästhetische wie politische Antithese. In The Report jagen keine Stealth-Hubschrauber im Tiefflug nachts über Pakistan, es gibt auch keine lange Erstürmungsszene mit Sonderkommando wie in Zero Dark Thirty. Es wird vor allem geredet, in Büros in Washington, D. C. und Virginia. Inhaltlich gemein haben die beiden Filme nur, dass man als Zuschauer und Zuschauerin einige Folterszenen ertragen muss.

Um genau die Frage, ob Zero Dark Thirty nahelege, dass die enhanced interrogation techniques der CIA zum Auffinden Osama bin Ladens beigetragen hätten, gab es, nachdem der Film am 19. Dezember 2012 in die US-Kinos gekommen war, eine heftige Debatte. An der beteiligten sich auch drei US-Senatoren. Der mittlerweile verstorbene Republikaner John McCain sowie die Demokraten Carl Levin und eben Dianne Feinstein schrieben einen offenen Beschwerdebrief gegen Zero Dark Thirty an den Chef des zuständigen Filmvertriebs Sony Pictures. Obwohl die Macher des Films behaupteten, er stütze sich auf "Augenzeugenberichte realer Begebenheiten", sei dessen Inhalt "grob inkorrekt und irreführend durch die Andeutung, dass Folter zur Erlangung von Informationen beigetragen habe, die zur Lokalisierung" Bin Ladens geführt habe, heißt es in dem Brief. Sechs Tage zuvor hatte Feinstein in ihrer damaligen Rolle als Vorsitzende des Geheimdienstausschusses des US-Senats Jones' CIA-Folterbericht entgegengenommen. Feinstein hatte die geheimen Fakten nach CIA-Dokumentenlage vorliegen, und The Report stellt sich nun ganz explizit auf die Seite der Senatorin.

Ein bunter Strauß an Foltermethoden

Das bedeutet auch, dass er sich die Schlussfolgerungen der 2014 veröffentlichten Zusammenfassung des Folterberichts zu eigen macht. Die waren vernichtend für die CIA: Die Verhörmethoden waren nicht nur widerrechtlich, sie waren auch völlig nutzlos. Jones hat keine Belege dafür gefunden, dass vermeintliche oder tatsächliche Al-Kaida-Mitglieder unter Folter sachdienliche Informationen preisgegeben hätten.

Folter funktioniert nicht, das ist nicht neu. Die CIA hat sie trotzdem eingesetzt. Auch aus Angst der Verantwortlichen davor, Hinweise auf einen nächsten 11. September zu verpassen, legt The Report nahe. Eine Szene soll diese These offenbar verdeutlichen: Die Geheimdienstoberen sind derart verzweifelt, dass sie sich die Ideen zweier Air-Force-Psychologen anhören, die noch nie ein Verhör geführt haben. Deren Präsentation gipfelt in einem bunten Strauß an Foltermethoden, die zu ihrer Arbeitshypothese passt: Man muss Menschen erniedrigen, ja, zerstören, dann fangen sie an zu reden.