"When They See Us"

Die "Central Park Five" nannte man sie – fünf junge Männer aus Harlem, die im Sommer 1989 in jenem Park unterwegs waren, wo am selben Abend eine junge Frau vergewaltigt und fast totgeschlagen wurde. Ohne Beistand von Eltern und Anwälten werden die vier schwarzen Jungen und ein junger Latino so lange unter Druck gesetzt, bis sie sich schließlich gegenseitig des Verbrechens und der Mitwirkung daran bezichtigen. Die sogenannten Ermittlungen werden begleitet von einer hysterischen Presse und einem Immobilienunternehmer, der in Zeitungsanzeigen die Einführung der Todesstrafe im Bundesstaat New York fordert: Es ist der Anfang von Donald Trumps politischem Aktivismus.

Die Netflix-Serie When They See Us ist nicht nur sehenswert wegen der Verbindung, die sie zwischen dem damaligen Justizskandal und dem heutigen Rassismus in den USA zieht. Die Regisseurin und Co-Autorin Ava DuVernay zeigt auch auf erschütternde Weise, wie sich immer die Falschen schuldig fühlen: die Schwester, die Papiere unterschreibt, oder der Vater (Michael Kenneth Williams aus The Wire mit einer bemerkenswerten Leistung), der seinen Sohn aus Angst zu einer belastenden Aussage zwingt. Erst nach langen Gefängnisstrafen kommen die jungen Männer frei, rehabilitiert werden sie aber erst, als der wahre Täter ein Geständnis ablegt. Wie die fünf Justizopfer während all der Jahre dennoch ihre Hoffnung auf Gerechtigkeit behalten, ist das eigentlich Bemerkenswerte an dieser dramaturgisch klug komponierten Serie.
(Carolin Ströbele)

Die vier Folgen von "When They See Us" laufen auf Netflix.