Nicht einmal eine Minute dauert sein Auftritt in Fatih Akins Komödie Soul Kitchen aus dem Jahr 2009. Als "Meyer, Gesundheitsamt!" stapft Jan Fedder da durch die Küche des Gastronomen Zinos (Adam Bousdoukos), der eh schon am Rande des Nervenzusammenbruchs steht: Freundin weg, Bandscheibenvorfall, Laden läuft nicht, Bruder aus dem Knast entlassen. Und dann noch dieser Meyer vom Gesundheitsamt: "Mann, Junge, das stinkt, wo sind hier die Dunstabzugshauben, hohohoho, Freunde der Volksmusik, das ist 'ne Küche, da leg ich doch keinen Teppich rein, da müssen Fliesen hin, auch anne Wand hier, und die Haushaltsgeräte, die kaufen wir nicht bei 1.000 Töpfe, ne, sondern die kaufen wir schön aus Edelstahl", so geht es im Stakkato. "In einem Monat bin ich wieder da, und dann ist das ganze picobello, chico?" resümiert Meyer. "Sonst mach ich den Laden dicht, weiß' Bescheid?"

Es war eine fulminante Kurzintervention, in der Jan Fedder bravourös zeigte, was er am besten spielen konnte: den deutschen Ordnungshüter, der mit knatterndem Bass und Hamburger Schnack seinen Job macht und dabei irgendwie doch immer durchscheinen lässt, dass er im Grunde seines Herzens auf der Seite derer steht, die so ihre Probleme mit Recht und Ordnung haben.

Diese Underdogsympathie war es auch, die Fedder in seiner Paraderolle auszeichnete. Anfang der Neunzigerjahre übernahm er, eher widerwillig und vor allem seinem Freund zuliebe, dem Regisseur Jürgen Roland, eine Hauptrolle in der NDR-Polizeiserie Großstadtrevier, die schon seit 1986 lief. Ab 1992 war Fedder als Streifenpolizisten Dirk Matthies zu sehen, für den auf St. Pauli aufgewachsenen Schauspieler offensichtlich ein Angang, gehörte er doch "durch die gegebenen Widrigkeiten logischerweise zur anderen Seite", wie er einmal in einem Interview sagte. Seine Mutter war Tänzerin und Gymnastiklehrerin, seinem Vater gehörte einst am Hafen die Gaststätte Zur Überseebrücke, wo heute das Verlagshaus von Gruner+Jahr steht.

"Es gab Angebote"

Fedder, im Jahr 1955 geboren, verbrachte seine Kindheit mit dem Hafen vor der Haustür und seine Jugend auf dem Kiez. "Mit zehn Jahren wusste ich, was eine Nutte treibt, mit elf habe ich meine erste Zigarette geraucht, mit 13 hatte ich mein erstes Mal in einem Partykeller, mit 14 Jahren meinen ersten Tripper", erzählte er den St. Pauli-Nachrichten. Als Jugendlicher bereits hat er auch die erste kleine Rolle im Fernsehen gehabt, in der Serie Reisedienst Schwalbe. Wäre er nicht Schauspieler geworden, hätte er womöglich im Milieu Karriere gemacht, bekannte Fedder. "Es gab Angebote." Seinen zweiten erlernten Beruf als Speditionskaufmann hat Fedder nie ausgeübt.

Stattdessen trat er im linken Hamburger Klecks-Jugendtheater auf und war "sozialistisch engagiert", wie er der Hamburger Morgenpost sagte; 19 Jahre lang blieb er Ensemblemitglied des Theaters. In einer Folge von Gyula Trebitschs Serie Hamburg Transit übernahm Fedder die Hauptrolle eines drogenabhängigen Einbrechers, er spielte einen satanistischen Rocker und andere Bösewichtrollen. 

Wie für eine ganze Reihe anderer männlicher deutscher Schauspieler seiner Alterskohorte – Uwe Ochsenknecht, Martin Semmelrogge, Ralf Richter, Claude-Oliver Rudolph – bedeutete der vielfach prämierte Kinofilm Das Boot von Wolfgang Petersen im Jahr 1981 für Fedder den Durchbruch. In der Rolle des Bootsmaat Pilgrim ging er mit einem düster-homoerotischen Dialog in die Filmgeschichte ein: "Sachma' hassu eigentlich Haare inne Nase?", fragt Pilgrim den Dieselmaat Frenssen, gespielt von Richter. "Weil: Ich hab welche am Arsch. Die können wir ja zusammenknoten."

Trotz des Erfolgs mit Das Boot sah es aber ein paar Jahre lang so aus, als bliebe der Kiezjunge Fedder mit seiner übernächtigt-versoffenen Bassstimme festgelegt auf die Underdog- und Gaunerrollen. Bis eben Jürgen Roland mit dem Angebot kam, ins Großstadtrevier einzusteigen. Roland schrieb ihm die Rolle des Dirk Matthies auf den Leib, eines Kiezbullens, der der eigenen Zunft immer mit ein wenig kritischer Distanz begegnet. Dadurch sei "überhaupt erst eine Identifizierung möglich geworden", erklärte Fedder seinerzeit. Das Großstadtrevier hat ihn zur Berühmtheit gemacht, zum norddeutschen Volksschauspieler par excellence, eine Art wandelnde Hamburgensie. Der Stern nannte ihn einmal einen "Brackwasser-Bogart".