Zum Jahresende hat die ARD der Polizeiruf-Reihe einen neuen Vorspann spendiert. Mal wieder, muss man sagen, denn nach relativ exakten Zählungen dürfte das nun die insgesamt zehnte Variante sein, die zur stolzen Reihe in 48 Jahren aufs Parkett gelegt worden ist.

Matthias Dell schreibt seit 2010 wöchentlich über "Tatort" und "Polizeiruf 110". Auf ZEIT ONLINE seit 2016 in der Kolumne "Der Obduktionsbericht". © Daniel Seiffert

Der Vorspann ist bekanntlich das Einzige, was Tatort und Polizeiruf unterscheidet. Während der Westkrimi das Glück hatte, mit einem auf der Bildebene reihenunabhängigen Vorspann an den Start zu gehen, hatte das Ostpendant auch ohne den geschichtlichen Bruch von 1989/90, der die DDR-Embleme obsolet erschienen ließ, öfter mal neu arrangieren müssen. Kommissarinnen (Leutnant Vera Arndt!) gingen, andere kamen (Leutnant Thomas Grawe) und weil sich der Polizeiruf-Vorspann bei den Bildern aus den Filmen bediente, die nach ihm liefen, wurde munter ausgetauscht.

Diese Zeitgebundenheit ist in den drei Vorspannen ab 1993 zwar aufgelöst worden. Allerdings zugunsten eines wiederum ziemlich zeitgebundenen Stock-Film-Materials, bei dem ein Mann im Trenchcoat einen Koffer in einen Fluss wirft. Und musikalisch ward es nie wieder so dynamisch wie zu Zeiten, in denen der alte Jazzer Hartmut Behrsing in Version 2 (Siebzigerjahre) und 3 (Achtziger) die Blechbläser kuckerukuen ließ.

Die neue Variante bedient sich musikalisch weiterhin bei den 1998 durch Freddy Gigele etablierten Synthieklängen, versucht aber immerhin bei den dazu gezeigten Bildern ein neues Verhältnis zur Geschichte zu finden: Ein Volkspolizei-Oldtimer aus den Anfangsjahren ist mit von der Partie, das Wählscheibentelefon jener Zeit, das den Reihentitel sinnfällig werden lässt, und am Ende fliegt sogar ein Hubschrauber – ein zeitgemäßer zwar, der aber getrost als Zitat aufgefasst werden kann auf das schwere Gerät, das die späte DDR als tollstes Tool der eigenen Polizeiarbeit vorzeigte.

Tod einer Journalistin (RBB-Redaktion: Daria Moheb Zandi, Degeto-Redaktion: Birgit Titze) ist dagegen total heutig. Es geht um die Gefahr für investigative Journalistinnen, die zu investigativ ermitteln, und um die unterschiedlichen Auffassungen über Atomkraft, die sich entlang des polnisch-deutschen Polizeireviers in Świecko erzählen lassen.

Den Rahmen bildet ein Prozess, der über die Klage gegen den Bau eines AKW in Polen entscheiden soll. Den Vorsitz führt Richter Lukasz Franczak (Maciej Stuhr), der auf eine Beförderung nach Warschau hoffen darf. Aber auch ein Verhältnis mit der Journalistin Anne Gerling (Antje Traue) pflegt, die von ihm schwanger ist. Frau Gerling kommt allerdings wegen gelockerter Radmutter von der Landstraße ab und fährt vor einen Baum, wo sie von einem Fiesling mit Fremdenlegion-Historie (Markus Gertken) umgebracht wird.

Eine für einen Krimi eigentlich ansprechende Ausgangsposition (Drehbuch: Silja Clemens, Stephan Rick, Thorsten Wettcke): Gleich zwei Parteien wollten der Journalistin an den Kragen, die Franczak-Gattin (Dagmar Leesch) aus Eifersucht, der Söldner im Auftrag des Geldes, das unbedingt das Atomkraftwerk bauen will. Die eine hat die Radmuttern gelöst, der andere einen Sender angebracht, um zu wissen, wann er Gerling wo erschießen kann.