Sie haben den Vorspann tatsächlich so gelassen: dieselbe scheppernde Melodie, dasselbe hysterisch-fröhliche Abgeklatsche, dieselben albernen Luftsprünge. Und ja: es sind dieselben Charaktere wie damals, vor knapp 20 Jahren, als Beverly Hills 90210 die bekannteste Highschool-Serie der Welt war: Jason Priestley, Tori Spelling, Jenny Garth, Ian Ziering, Brian Austin Green, Gabrielle Carteris und Shannen Doherty stehen wieder zusammen vor der Kamera.

Tori Spelling (Donna), die Tochter des früheren Produzenten Aaron Spelling, und die Darstellerin der Kelly, Jenny Garth, konnten den Sender Fox davon überzeugen, seinen Klassiker wiederzubeleben. Mit der Originalbesetzung von damals und einer Geschichte von heute: Die Serie handelt nämlich davon, wie Spelling und Garth versuchen, ein Reboot von Beverly Hills 90210 umzusetzen. In den USA lief die Fortsetzung bereits im August, in Deutschland sind die sechs Episoden nun auf TVNow zu sehen. 

Die erste Szene spielt im legendären Diner Peach Pit, dem Treffpunkt der Schulclique. Priestly wischt die Tische ab, die Mädels sitzen mit bunten Drinks an den Tischen. Es ist schon irre, wie man sofort wieder hineingesogen wird in die Welt dieser wahnwitzig reichen Jugendlichen, in dem übersteuerten, total übertriebenen Plastikamerika, das einem als Jugendlicher in den Neunzigerjahren als Realität präsentiert wurde. Beverly Hills, 90210 erzählte von 1990 bis 2000 im Wochentakt von den Problemen der rich kids im berühmten Vorort von Los Angeles. Und von deren Leben auf der Beverly Hills High School, wo angeblich alle dieselben Probleme hatten mit der ersten Liebe, den verständnislosen Eltern und den ersten Drogenerfahrungen: die Sprösslinge der Hollywoodstars und die Mittelstands-Zwillinge Brandon (Priestley) und Brenda (Doherty).

Im Vergleich zu Jugendserien wie Tote Mädchen lügen nicht oder Euphoria mutet Beverly Hills, 90210 heute wie ein Bericht aus der Klosterschule an. Drogenexzesse endeten meist nach ein, zwei Episoden durch die Belehrung der altklugen Andrea und auch alle zwischenmenschlichen und erotischen Verwirrungen pendelten sich nach ein paar Windungen auf dem Weg des geringsten Widerstands ein. 

Die erste Überraschung der Fortsetzung ist: Die sehen ja wirklich alle noch so aus wie damals. BH 90210, wie das Reboot heißt, könnte in Branchenkreisen auch als eindrucksvoller Werbefilm für die Wirkung von Botox und plastischer Chirurgie eingesetzt werden. In manchen Szenen fragt man sich erst mal kurz, ob dafür noch Restaufnahmen aus den Neunzigern verwendet wurden oder ob man tatsächlich die Darstellerinnen und Darsteller von heute vor sich hat.

Die zweite Überraschung ist: Die scheinen alle echt Humor zu haben. Der Einstieg im Peach Pit erweist sich nämlich nur als Alptraum von Tori Spelling, die gerade im Flieger zu einem 30-Jahre-Jubiläum von Beverly Hills, 90210 sitzt. Dort treffen sich die einstigen Serienstars, die allesamt nicht mehr an den Erfolg von damals herangekommen sind und (auch in der Realität) ihr Dasein als einigermaßen erfolglose Regisseure (Priestley), dauergeschiedene Diven (Garth), Mehrfachmütter (Spelling), Ehemänner erfolgreicher Stars (Green ist mit Megan Fox verheiratet) oder Darsteller von Trash-Filmen (Ian Ziering mit Sharknado) fristen. Allein Gabrielle Carteris hält als Präsidentin der Schauspielergewerkschaft SAG-Aftra eine ähnlich respektable Position inne wie ihr Serien-Alter-Ego Andrea Zuckerman, die damals die Schülerzeitung in der Beverly Hills High School leitete. Und – auch das eine schöne Reminiszenz an die Serie – Shannen Doherty stiehlt auf dem Podium vor den Fans allen die Schau, indem sie sich vom Strand live zuschalten lässt, wo sie gerade ein gerettetes Tigerbaby mit der Flasche füttert. 

Die platte Grundkonstellation "abgehalfterte TV-Stars versuchen den Neustart" haben Spelling und Garth, die gemeinsam mit Mike Chessler und Chris Alberghini das Remake verantworten, erstaunlich geschmeidig umgesetzt. Im Stil einer Mockumentary spielen alle Charaktere eine etwas exaltierte Version ihrer selbst.

Nachdem sich die Ex-Darstellerinnen und -Darsteller während eines Fan-Events in Las Vegas wieder getroffen, gemeinsam das ehemalige Ballkleid von Spelling aus einer Mall geklaut haben und kurz im Knast gelandet sind, läuft es wieder rund auf Social Media. Die geschäftstüchtige Tori Spelling beschließt, die Truppe zu einem Revival zu überreden. Aus verschiedensten Gründen (Geldnot, Langeweile, Karrierestop, betrügende Ehefrauen oder Geltungsdrang) machen nach und nach alle mit. Höhepunkt der dritten Episode ist, wie Spelling ihren Designerkoffer über die Anden schleift und Shannen Doherty von ihrem Guru weg und zurück nach L.A. lotst.

"Es ist eigentlich ganz schön, wieder da zu sein", haucht Doherty, als sie mit den anderen fürs erste gemeinsame Gruppenfoto posiert. Und als Zuschauerin weiß man natürlich, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Man darf vermuten, dass die tatsächliche Zusammenführung der ehemaligen Beverly-Hills-Riege auch nicht nur aus Liebe zu den ehemaligen Kolleginnen erfolgt ist. Die angeblichen Animositäten zwischen Doherty und Garth hatten früher ganze Bravo-Ausgaben gefüllt. Um so erstaunlicher ist es, dass zumindest in den ersten drei Folgen die Balance zwischen Fan-Geschichte, Selbstironie und Branchenkritik gut gelingt.