Es ist keineswegs unmöglich, eine Komödie über Adolf Hitler zu machen. Menschen verarbeiten oft Leiden, indem sie es mit Lachen entstellen. Mel Brooks hat in seiner Showbiz-Satire Frühling für Hitler (1967) den Nationalsozialismus aufs Korn genommen, und auch während des Krieges verspottete Hollywood den Führer. In der Tragikomödie Sein oder Nichtsein (1942) des Berliner Emigranten Ernst Lubitsch geben Mitglieder einer Warschauer Theatertruppe vor, hochrangige Gestapo-Offiziere und Naziaktivisten zu sein und sogar Hitler selbst. Charlie Chaplin machte in einer Doppelrolle als jüdischer Friseur und dessen Doppelgänger Anton Hynkel in Der große Diktator (1940) aus Hitlers Größenwahn eine Farce – am berühmtesten ist wohl die Szene, in der ein besessener Hynkel zärtlich mit einer Weltkugel tanzt. 

Und vieles an Hitler selbst ist komisch: sein seltsamer kleiner Pinselbart; die Clips seiner heftigen, bellenden Reden; seine Besessenheit von einem großen, blonden, arischen Ideal, während er selbst dunkelhaarig und winzig war. In seinem neuen Film Jojo Rabbit hat Taika Waititi, der Regisseur von Marvels Thor: Tag der Entscheidung (2017), den Führer nun in eine blöde Heulsuse verwandelt. Der Film zeigt einmal mehr, wie schwierig es ist, sich einen Jux aus Hitler zu machen.

Zu überzuckert?

Ein gern erhobener Einwand gegen Jojo Rabbit lautet: Er ist zu überzuckert, zu selbstgefällig, zu naiv, zu feige, und zu versöhnlich. Dies ist die ewige Debatte: Dürfen wir über Hitler lachen? Und wenn ja: Wie macht man es richtig?

Wer im Kostüm des berühmtesten Diktators der Geschichte herumalbert, kratzt natürlich an einem Tabu. Genau das macht es so unwiderstehlich, insbesondere für jüdische Komiker wie Waititi, dem Sohn eines Maori-Vaters und einer Mutter mit russisch-jüdischen Wurzeln. Wie der Regisseur selbst in einem Tweet sagte: Gibt es einen besseren Weg, Hitler zu beleidigen, als ihn von einem polynesischen Juden porträtieren zu lassen?

Der neuseeländische Drehbuchautor und Regisseur spielt selbst Adolf Hitler als imaginären Freund eines zehnjährigen, deutschen, niedlichen Jungen, und in den frühen amerikanischen Kritiken ging es bereits darum, was der Kritiker Sam Adams den "kniffligen Spagat" des Hitler-Humors nennt, der oft nur bei Lubitsch und Chaplin als gelungen erachtet wird. Die New York Times hielt die Romanadaption für "zu süß" und "zu freundlich". Das Branchenblatt Variety nannte es abschätzig "die erste Hipster-Nazikomödie", eine Satire, "wie ein Wes-Anderson-Film, der im Dritten Reich spielt".  

Tatsächlich sieht Jojo Rabbit, frei nach Christine Leunens' Roman Caging Skies, bisweilen wie eine lange Szene aus Moonrise Kingdom aus, untermalt mit der fröhlichen Musik des Oscar-gekrönten Komponisten Michael Giacchino (für: Oben). Alles beginnt in den Tagen des schwindenden Dritten Reiches an dem aufregendsten Morgen, den der junge Johannes "Jojo" Betzler (Roman Griffin Davis) je hatte: Er darf an einem Hitlerjugendlager teilnehmen. Obwohl er erst zehn Jahre alt ist, ist Jojo ein eifriger Möchtegern-Nazi, der davon träumt, einen Juden selbst zu fangen oder gar zu töten. Jojo ist, wie er selbst zugibt, "total in Hakenkreuze verliebt" und er hat drei Wochen gebraucht, um die Tatsache zu überwinden, dass sein Großvater nicht blond war. Sein imaginärer Freund Hitler, der immer dann auftaucht, wenn sich der Junge einsam fühlt, schaut ihn bewundernd im Spiegel an und sagt dann: "Mann, du bist wirklich der treueste kleine Nazi, den ich je getroffen habe... Heil me, man!"

Jojos Vater ist im Krieg. Seine Schwester ist gestorben. Alles, was dem Jungen bleibt, ist seine Fantasie, sein bester Kumpel Yorki (Archie Yates, der jede Szene stiehlt) und nun eben das Jugendlager, in dem die beiden Dinge lernen wie den Gebrauch von Granaten und das Verbrennen von Büchern. Aber die anderen Hitlerjungen hänseln Jojo, weil er sich nicht traut, einem Hasen das Genick zu brechen – daher der Spitzname, der dem Film seinen Titel gibt. Weil er sich kurz darauf beim falschen Hantieren mit einer Handgranate verletzt, wird er bald nach Hause geschickt.

Zu Hause spielt sich dann die Kerngeschichte von Jojo Rabbit ab. Jojos Mutter Rosie (eine bezaubernde Scarlett Johansson, die dafür eine Oscarnominierung als Beste Nebendarstellerin bekam) ist dem Vaterland eindeutig weniger ergeben als ihr Sohn. Sie versteckt im Haus ein jüdisches Mädchen namens Elsa (Thomasin McKenzie), das Jojo bald entdeckt. Als er Elsa zum ersten Mal begegnet, wirkt sie monströs. Ihr dunkles Haar fällt ihr strähnig ins Gesicht und die langen, dünnen Finger fahren über das Geländer im Haus. So wurde dem Jungen beigebracht, jüdische Menschen zu sehen.

Natürlich sind die Dinge nicht, wie sie scheinen, aber wir wissen aus der Geschichte, dass Jojo mit seinen irren Vorstellungen nicht allein ist. Der Vorspann des Films verdeutlicht dies und setzt eine beschwingte deutsche Cover-Version von I Want To Hold Your Hand mit altem Filmmaterial von Hitlers ausgelassenen, jungen Fans in Szene, die kreischenden Teenagern auf dem Höhepunkt der Beatlemania ähneln sollen. Alles, was Jojo über Juden weiß, ist lächerlich. "Wo sind deine Hörner?", will Jojo wissen. "Ich bin zu jung", ärgert Elsa ihn, "sie wachsen, wenn du einundzwanzig bist."

Aber der Junge lernt nach und nach, dass Elsa kein Monster ist. Er hat nicht die Seele eines wahren Nazis und wenn die selbsterklärte Antihass-Satire dann mit einem albernen Tanz endet, auf ein deutsches Cover von David Bowies Heroes, wird er viel gelernt haben. Ein ähnliches Konzept steckte 1992 hinter Goran Markovićs jugoslawischen Film Tito und ich.