Den entscheidenden Satz sagt Gwyneth Paltrow gleich im Intro ihrer neuen Netflix-Dokuserie The Goop Lab: "Für mich läuft alles auf Selbstoptimierung hinaus. Wir leben nur einmal. Wie können wir da wirklich das Beste rausholen?" Im englischen Original sagt sie, etwas weniger elegant: "How can we really milk the shit out of this?" Aber hey, no pressure!

In Wirklichkeit will Gwyneth, oscargekrönte Schauspielerin und seit 2008 Selfmade-Lifestyle-Unternehmerin, nur heilen. Dieses Wort kommt in der sechsteiligen, von ihr selbst produzierten Serie am häufigsten vor. Sie lädt dazu Expertinnen und Experten aus allen Bereichen der menschlichen Vorstellungskraft zu sich in den superschicken Goop-Firmensitz im kalifornischen Santa Monica ein und lässt sich von ihnen erzählen, wie sie durch psychedelische Pilze, Baden in Eiswasser, Orgasmen, Tütennahrung und Kontaktaufnahme mit Verstorbenen angeblich heilen. Das findet Paltrow dann meist wahnsinnig fascinating.

Ausprobieren dürfen das dann, völlig freiwillig natürlich, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Goop, die offenbar nicht nur die gemeinsame Chefin eint, sondern auch der Fakt, dass jede und jeder von ihnen irgendein Päckchen zu tragen hat: Angstzustände, Kindheitstraumata, Schlafparalyse oder schlicht den bevorstehenden 50. Geburtstag.

"Ich glaube, ich habe noch nie einen gesunden Menschen getroffen", sagt ein Psychiater, der mit psychedelischen Substanzen arbeitet, in der ersten Folge. Und genau das ist die Wirkung der Serie, die so subkutan arbeitet wie die straffenden Fäden, die sich Paltrows Kollegin Wendy (die 50-Jährige) in einer Folge in die Wangenhaut einziehen lässt: Am Ende ist man nicht besser informiert und offener für neue Erfahrungen, sondern zutiefst beunruhigt: Verdammt, was stimmt eigentlich mit mir nicht?

"Diese Serie ersetzt keine fachliche Beratung durch einen Arzt. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen immer Ihren Arzt", heißt es auf einem Disclaimer vor jeder Folge. Im englischen Insert gibt man zu, dass man nur "unterhalten und informieren" möchte. Wie gesagt: no pressure! Möglicherweise hat Paltrows ursprünglicher Newsletter Goop einst genau dieses Ziel gehabt. Inzwischen ist daraus eine florierende Webseite mit Onlineshop geworden, das Unternehmen wird inzwischen auf einen Wert von 250 Millionen US-Dollar geschätzt.

Bei Goop tarnt sich die Selbstoptimierung mit einem Achtsamkeitsmäntelchen. Während Frauenmagazine bis heute brutal den Finger direkt in die zu dicken Schenkel, zu schlabbrigen Arme und die unerträgliche Orangenhaut bohren, verbreitet Paltrow lieber einen pastellfarbenen "Sei gut zu dir selbst"-Vibe. Hier ein hübscher Rock, da ein paar Räucherstäbchen, dort ein Jade-Ei für die Vagina. Letzteres kostete Paltrow allerdings 145.000 US-Dollar. Mit diesem Betrag legte Goop außergerichtlich eine Klage mehrerer Bezirksstaatsanwälte bei. Diese hatten dem Unternehmen vorgeworfen, fälschlich zu behaupten, das Ei helfe bei der Zyklusregulierung und der Ausbalancierung des Hormonspiegels. Auch zwei weitere Produkte von Goop waren Bestandteil der Klage.