Ähnliche esoterische Produkte stehen auf der Website neben Make-up-Tipps, Kochrezepten und durchaus seriösen Informationen zum Thema Alzheimer. Diese Technik wenden viele Esoterikwebsites an. Teurer Schrott steht gut versteckt zwischen echten, wissenschaftlich fundierten Informationen, sodass man nicht allzu schnell oder allzu lange misstrauisch wird. Auf die Goop-Seite kommt offenbar alles, was Paltrow und ihrer Mannschaft einfällt, zuletzt eine Kerze, über deren Duft die Schauspielerin während der Produktion scherzhaft sagte: "This smells like my vagina." Die Kerze trug dann auch diesen Namen und war schneller ausverkauft, als man ihn aussprechen konnte.

Auch Paltrows Netflix-Serie hält sich immer ein kleines wissenschaftliches Feigenblatt vor. Die heilenden Experten haben jeweils eine Forscherin dabei, einen Arzt oder einen Psychiater, die den heilenden Kräften von Séancen mit Verstorbenen, Energiefeldern rund um den Körper oder magischen Pilzen einen seriösen Anstrich geben. Neben Heilung ist oft von Studien die Rede, die das alles vielleicht noch nicht nachweisen, aber zumindest erforschen. Heißt noch nichts, klingt aber gut.

"Sehr, sehr müde"

Dass Paltrow versucht, die Folgen von Missständen zu beseitigen, anstatt die Missstände selbst, sieht man nicht zuletzt in der Folge Die Energie-Erfahrung. Dafür lässt sich Paltrow von dem Chiropraktiker John Amaral durchkneten, ohne dass er sie dabei berührt. Er arbeite mit dem Energiefeld des menschlichen Körpers, das er laut eigenen Aussagen bis in knapp zwei Metern Entfernung "messen" könne, sagt Amaral. Mit Handbewegungen ähnlich denen eines Puppenspielers bringt Amaral den vor sich liegenden Körper dazu, sich zu strecken, zu winden und konvulsiv zu zucken. Auch Gwyneth bäumt sich beeindruckend auf.

Nach der Sitzung sagt Paltrow zu Amaral, sie sei nach einigen stressigen Wochen "sehr, sehr müde", all ihre Energie sei aus ihrem Körper geflossen. Und spätestens hier fragt man sich, ob die nachhaltigere Lösung für die millionenschwere Paltrow nicht einfach wäre, weniger zu arbeiten.

Hin und wieder blitzt in The Goop Lab zwar der Gedanke des Self-Empowerment auf. In der Folge über den weiblichen Orgasmus wird immerhin großer Wert daraufgelegt, zu zeigen, wie unterschiedlich jede Vulva aussieht und dass jede für sich genommen schön ist. Außerdem gibt die Schauspielerin vor, endlich den Unterschied zwischen den Begriffen Vulva und Vagina gelernt zu haben.  

Gerade weil Paltrow sich gerne als große Kämpferin gegen die weibliche Angewohnheit der ständigen Selbstkritik präsentiert, ist es ärgerlich, dass sie Frauen nicht mehr Mut macht, zu ihren Falten zu stehen. Stattdessen schaut sie dabei zu, wie sie sich vor laufender Kamera 100 Akupunkturnadeln ins Gesicht stechen oder Fäden in die Wangen einziehen lassen.

Solange man mit Self-Empowerment ordentlich Kohle machen kann, melkt sie eben the shit out of it.

Die sechs Episoden von "The Goop Lab" sind auf Netflix abrufbar.