Die Verteidigung von Harvey Weinstein hat im Prozess gegen den früheren Filmproduzentent einen Freispruch gefordert. "Er war unschuldig, als er hier in das Verfahren kam, er war unschuldig, als jeder Zeuge ausgesagt hat, und er ist jetzt gerade unschuldig", sagte seine Anwältin Donna Rotunno bei ihrem Schlussplädoyer vor dem Gericht in New York.

Die Anklage habe ein "Paralleluniversum" aufgebaut, in dem Weinstein aufstrebende Schauspielerinnen sexuell attackiert habe, aber keinerlei Beweise für eine Verurteilung geliefert. Die Darstellung, dass die mutmaßlichen Opfer keine Verantwortung trügen, wenn sie mit Weinstein auf ein Hotelzimmer gegangen seien oder sich von ihm hatten Flüge buchen lassen, sei nicht schlüssig, so Rotunno.

Die Geschworenen, sagte die Verteidigerin an die Jury gerichtet, müssten ungeachtet des öffentlichen Drucks eine "unpopuläre Entscheidung" treffen und Weinstein freisprechen. "Lassen Sie nie zu, dass Emotionen ihren Verstand vernebeln."

Rotunno zeigte E-Mails und erinnerte an Aussagen von Zeugen, die ihrer Darstellung zufolge belegen, dass die Frauen von Weinstein profitiert und auch nach den mutmaßlichen Sexualverbrechen noch ein gutes Verhältnis zu ihm gehabt hätten.

Weinstein selbst, der auf Kaution auf freiem Fuß ist, kam am Morgen wieder gestützt auf seine Gehhilfe in den Gerichtssaal. Er hatte selbst nicht ausgesagt, Richter James Burke fragte am Donnerstag noch einmal beim Angeklagten nach, ob das wirklich seine eigene Entscheidung gewesen sei. "Ja", brummte Weinstein.

Lebenslange Haft im Falle einer Verurteilung

Die Staatsanwaltschaft hatte in den vergangenen drei Wochen versucht, mithilfe von sechs Zeuginnen ein Muster offenzulegen, nach dem Weinstein seine Macht in der Filmindustrie systematisch ausnutzte, um sich Frauen gefügig zu machen. Der Filmproduzent sei ein Mann, der Frauen für Sex Karrierehilfe versprochen und sie bei einem Nein zum Geschlechtsverkehr gezwungen und vergewaltigt habe. Weinstein streitet das ab und spricht davon, dass jeglicher sexueller Kontakt einvernehmlich gewesen sei. Die Anklage wird am Freitag ihr Plädoyer vortragen. Ab Dienstag nächster Woche sollen sich die zwölf Geschworenen dann auf unbestimmte Zeit zu Beratungen zurückziehen, um eine Entscheidung über Schuld oder Unschuld Weinsteins zu treffen.

Seit 2017 haben mehr als 80 Frauen Weinstein sexuelle Übergriffe vorgeworfen. In dem Prozess geht es jedoch nur um zwei Fälle: 2006 die Produktionsassistentin Miriam Haley zum Oralsex gezwungen zu haben, eine andere Frau soll er 2013 vergewaltigt haben. Im Falle einer Verurteilung droht ihm lebenslange Haft. Der Fall hatte die #MeToo-Ära ausgelöst, in der der Prozess gegen den Filmproduzenten als Meilenstein gilt.