Der Regisseur Joseph Vilsmaier ist tot. Er sei am Dienstag gestorben, teilte eine Münchner Agentur im Auftrag der Familie mit. Vilsmaier wurde 81 Jahre alt. Er wurde einem breiten Publikum vor allem mit seinem Film Herbstmilch aus dem Jahr 1988 bekannt.

1939 in der bayerischen Landeshauptstadt geboren, besuchte er zunächst ein Internat in der Nähe von Augsburg und machte anschließend eine Lehre in München. Außerdem studierte er dort neun Jahre lang am Konservatorium Musik mit Schwerpunkt Klavier.

1961 gelang ihm dann der Einstieg in die Filmbranche, wo er sich vom Material- zum Kameraassistenten und schließlich zum Filmemacher hocharbeitete. Hinter der Kamera wirkte er bei zahlreichen TV-Produktionen mit, etwa beim Tatort und bei dem Fernsehfilm Ein Stück Himmel (1980) unter der Regie von Franz Peter Wirth, in dem die tschechische Schauspielerin Dana Vávrová, Vilsmaiers spätere Ehefrau, die Hauptrolle spielte.

Große Erfolge mit "Herbstmilch" und "Schlafes Bruder"

Mit ihr drehte er auch sein Regiedebüt, den Heimatfilm Herbstmilch, für den er auch eine eigene Produktionsfirma, die Perathon Film, gründete. Vávrová spielte die Rolle der niederbayerischen Bäuerin Anna Wimschneider, deren Lebenserinnerungen in Buchform zuvor bereits zu einem Bestseller geworden waren. Gedreht an den Originalschauplätzen und in Mundart, erhielt der Film neben Auszeichnungen auch ein positives Presseecho und wurde mit 2,3 Millionen Zuschauern zum Kassenerfolg.

Mit der Literaturverfilmung Schlafes Bruder sorgte er dann auch international für Aufsehen und war 1995 sowohl für einen Golden Globe und einen Oscar nominiert. Nicht minder erfolgreich und mit vielen Preisen überhäuft war auch Comedian Harmonists über das weltberühmte Vokalensemble aus Berlin. Zuletzt verwirklichte er den Kinofilm Der Boandlkramer und die ewige Liebe mit Michael Bully Herbig und Hape Kerkeling – seine letzte Regiearbeit.

Trotz zahlreicher Preise und Würdigungen fiel Vilsmaier bei der Fachkritik eher durch. Seinen Ruf fasste die Süddeutsche Zeitung einmal so zusammen: "Sein Gespür für Bildkompositionen sei bewundernswert, seine Schwäche liege bei den zwischenmenschlichen Tönen." Die Stuttgarter Zeitung präzisierte diese Schwächen mit seinem "Hang zur Sentimentalität und zum Plakativen, seinem naiven – aber immer gutwilligen – Umgang mit komplexen Themen."