Nach Kritik an der Aktion #allesdichtmachen haben sich mehrere Schauspieler davon distanziert. Schauspielerin Ulrike Folkerts bezeichnete es als Fehler, mitgemacht zu haben. "Die Videos, die entstanden sind, wurden falsch verstanden, sind vielleicht falsch zu verstehen", schrieb die Tatort-Kommissarin auf Instagram. "Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert." Es tue ihr leid, "Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen zu haben". Die Corona-Maßnahmen bezeichnete Folkerts als "absolut richtig". Sie sei weit davon entfernt, "Querdenkern und Rechten Argumente in die Hände zu spielen", betonte sie. "Es ist furchtbar, dass man mir das unterstellt." Die Aktion sei "schief gegangen und unverzeihlich".
Heike Makatsch entschuldigte sich bei den Opfern der Corona-Pandemie und ihren Angehörigen. "Ich erkenne die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgeht, und will niemals das Leid der Opfer und ihrer Angehörigen schmälern und sie womöglich dadurch verletzen. Sollte das geschehen sein, so bitte ich um Verzeihung", teilte sie auf Instagram mit.
Dutzende prominente Schauspielerinnen und Schauspieler hatten in einer
koordinierten Aktion die Corona-Politik der Bundesregierung kritisiert.
Unter dem Hashtag #allesdichtmachen verbreiteten Künstler wie Ulrich
Tukur, Volker Bruch oder
Jan Josef Liefers am Donnerstag über Instagram und YouTube gleichzeitig ironisch-satirische Clips mit persönlichen
Statements. Makatsch hatte sich in ihrem Wohnzimmer gefilmt und auf wiederholtes Türklingeln "nicht aufgemacht". Das Video war bereits nach einigen Stunden nicht mehr abrufbar.
"Ich finde es wichtig, unsere nicht mehr wiederzuerkennende Welt auf irgendeine Art zu spiegeln oder zu kommentieren. Wenn ich damit rechten Demagogen in die Hände gespielt habe, so bereue ich das zutiefst", teilte Makatsch nun mit. Auch Liefers distanzierte sich vom rechten Spektrum: "Eine da hineinorakelte, aufkeimende Nähe zu Querdenkern und Ähnlichen weise ich glasklar zurück", schrieb der 56-Jährige auf Twitter. "Es gibt im aktuellen Spektrum des Bundestages auch keine Partei, der ich ferner stehe, als der AfD. Weil wir gerade dabei sind, das gilt auch für Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker, Corona-Ignoranten und Aluhüte. Punkt."
Ähnlich äußerten sich die Tatort-Schauspielerin Meret Becker und ihr Kollege Ken Duken. Kunst müsse Fragen stellen können, sagte Becker in einem Beitrag bei Instagram. "Aber diese Aktion ist nach hinten losgegangen." Sie werde das Video runternehmen lassen. "Und ich entschuldige mich dafür, dass das falsch verstanden werden konnte."
Ken Duken schrieb bei Instagram, er distanziere sich von rechtem Gedankengut und rechten Ideologien. Die Gefahr, die von der Corona-Pandemie ausgehe, sei ihm mehr als bewusst. Er habe sich auch nicht über die Opfer oder ihre Angehörigen lustig machen wollen. "Ich befürworte sinnvolle Maßnahmen und eine Impfstrategie. Diese Aktion ist gründlich in die Hose gegangen. Ich entschuldige mich für jegliche Missverständnisse."
"Heute bisschen für Kollegen schämen"
Die Aktion war auf breite Kritik unter Kolleginnen und Kollegen gestoßen. Christian Ulmen etwa postete auf Instagram lediglich den Satz: "Heute bisschen für Kollegen schämen." Elyas M'Barek schrieb: "Mit Zynismus ist doch keinem geholfen." Jeder wolle zur Normalität zurückkehren, und das werde auch passieren. Hans-Jochen Wagner nannte die Aktion peinlich. Er verstehe sie nicht, schrieb der Schauspieler, der an Liefers gerichtet fragte: "Das kann doch nicht dein Ernst sein." Nora Tschirner warf den Machern der Clips Handeln aus Langeweile und Zynismus vor.
Satiriker Jan Böhmermann hielt der Aktion bei Twitter entgegen, das einzige Video, das man sich ansehen solle, "wenn man Probleme mit Corona-Eindämmungsmaßnahmen hat", sei die ARD-Doku aus der Berliner Charité mit den Titel Station 43 – Sterben. Dazu stellte er den Hashtag #allenichtganzdicht und einen weinenden Smiley. "Die Schauspieler*innen von #allesdichtmachen können sich ihre Ironie gerne mal tief ins Beatmungsgerät schieben", twitterte Moderator Tobias Schlegl, der auch Notfallsanitäter ist.
Der Präsident des Deutschen Bühnenvereins, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda, hat die Internetaktion kritisiert. Die Aktion zeige, "wie zunehmend fragil die Lage in unserer Gesellschaft ist", sagte der SPD-Politiker der dpa in Berlin. "Sie zeigt auch, dass wir uns kümmern müssen und die Widersprüche unserer Zeit aussprechen und diskutieren müssen. Aber bitte konstruktiv und nicht bloß sarkastisch", wandte Brosda ein.
"Das, was sich im Moment falsch anfühlt, ist schließlich bei aller Kritik im Detail im Kern richtig und notwendig", sagte der Bühnenvereinspräsident mit Blick auf die Corona-Maßnahmen. "Es ist wichtig, dass wir diese Widersprüche aushalten."
Brosda wies darauf hin, "dass die Kultur gerade überproportional getroffen ist. Ironie und Sarkasmus aber lösen diese aktuellen Widersprüche in die falsche Richtung auf und drohen zynisch zu wirken. Bei allem Frust kann Zynismus nicht die richtige Haltung sein."
Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) erinnert in einer Reaktion unter anderem an diejenigen, die derzeit in Krankenhäusern arbeiten. "Manche unserer Kolleg*innen haben sich an dieser Aktion beteiligt, manch andere verurteilen sie aufs Schärfste", teilte der Vorstand auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.
"Den meisten von uns geht es wie vielen in unserem Land: Wir sehnen uns verzweifelt nach einem Ende der Pandemie", heißt es im Statement des Bundesverbands Schauspiel mit Sitz im Berlin. "Unsere Kinder leiden, unsere Angehörigen und Nachbarn leiden. In unserem Umfeld erkranken Menschen, manche sterben."
Nach Kritik an der Aktion #allesdichtmachen haben sich mehrere Schauspieler davon distanziert. Schauspielerin Ulrike Folkerts bezeichnete es als Fehler, mitgemacht zu haben. "Die Videos, die entstanden sind, wurden falsch verstanden, sind vielleicht falsch zu verstehen", schrieb die Tatort-Kommissarin auf Instagram. "Ich habe einen Fehler gemacht, ich war naiv genug zu glauben, mit meinen Kollegen*innen ein gewinnbringendes Gespräch in Gang zu bringen. Das Gegenteil ist passiert." Es tue ihr leid, "Menschen verletzt und vor den Kopf gestoßen zu haben". Die Corona-Maßnahmen bezeichnete Folkerts als "absolut richtig". Sie sei weit davon entfernt, "Querdenkern und Rechten Argumente in die Hände zu spielen", betonte sie. "Es ist furchtbar, dass man mir das unterstellt." Die Aktion sei "schief gegangen und unverzeihlich".