Der WDR hat sich endgültig gegen eine Zusammenarbeit mit der Journalistin und Ärztin Nemi El-Hassan entschieden. Das Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit sei nicht mehr vorhanden, teilte der Sender mit. Zuvor hatte El-Hassan den Sender in einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung für den Umgang mit ihr kritisiert. Der Sender wollte die Journalistin und Ärztin eigentlich das Wissensmagazin Quarks moderieren lassen, war nach in der Bild
erhobenen Antisemitismusvorwürfen dann aber davon abgerückt.
El-Hassan hat dem WDR daraufhin vorgeworfen, sich einer "Kampagne" der Bild-Zeitung gegen sie angeschlossen zu haben. "Der WDR
hat sich – in der Hoffnung, sich selbst aus der Schusslinie zu
ziehen – allen Argumenten der Bild-Zeitung angeschlossen und somit auch
zukünftigen Kampagnen Tür und Tor geöffnet", kritisierte El-Hassan. Zunächst hatte der Sender noch eine Anstellung in der Redaktion von Quarks erwogen, nach dem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung schloss der WDR nun jegliche Zusammenarbeit aus.
Der WDR bezeichnete den Vorwurf in der Mitteilung als unsinnig. "Unabhängig von der medialen Berichterstattung und dem öffentlichen Druck im Fall Nemi El-Hassan hat der WDR sorgfältig und umfangreich beraten, weil die Verantwortlichen den beruflichen Weg der jungen Journalistin nicht leichtfertig behindern, sondern ihr eine Chance geben wollten", teilte der Sender mit.
WDR: Vertrauensverhältnis "von Beginn an belastet"
Ausschlaggebend für die Entscheidung sei El-Hassans Verhalten in den sozialen Netzwerken und der Umgang damit gegenüber dem WDR gewesen. "Relevante Informationen – wie zum Beispiel das Löschen von Likes – erfuhr der WDR erst aus den Medien, obwohl er mit Nemi El-Hassan im intensiven Austausch war", heißt es in der Mitteilung. Das habe "von Beginn an das Vertrauensverhältnis belastet".
Die Bild hatte unter anderem über die Teilnahme der Journalistin an der israelfeindlichen Al-Kuds-Demonstration in Berlin vor sieben Jahren berichtet, bei der antisemitische Parolen gerufen wurden. Für ihre Teilnahme an der Demonstration hatte El-Hassan sich daraufhin entschuldigt und von dieser und ähnlichen Demonstrationen und Antisemitismus distanziert. Recherchen von ZEIT ONLINE zeigten kurz darauf, dass extrem rechte Kreise die Vorwürfe gegen El-Hassan lanciert hatten.
Der WDR hat die geplante Moderation aber erst nach weiteren Vorwürfen aus der Bild abgesagt. Die Zeitung hatte kritisch über El-Hassans Aktivitäten auf Instagram berichtet. Dort hatte sie unter anderem Posts der US-amerikanischen Organisation Jewish Voice for Peace gelikt. Diese Likes verteidigt El-Hassan in ihrem Beitrag. Die Organisation sei "eine der größten links-jüdischen Organisationen in den USA, die sich antizionistisch positioniert".
Konkret hat die Bild der Journalistin etwa Likes für Posts vorgeworfen, die zu einem Boykott von Produkten aus den israelischen Siedlungsgebieten in besetzten palästinensischen Gebieten aufgerufen hatten. El-Hassan verweist in ihrem Gastbeitrag darauf, dass auch die EU Produkte aus den Siedlungsgebieten und dem Kernland Israel unterscheide. Unter anderem das habe die Bild in ihrem Bericht unterschlagen.
El-Hassan hat laut Bild auch einen Post über den Ausbruch von Palästinensern, unter ihnen demnach auch Terroristen, aus einem israelischen Gefängnis gelikt. El-Hassan kritisiert nun in ihrem Text, die Zeitung habe dabei mutwillig nicht geschrieben, dass aus dem Post nicht ersichtlich gewesen sei, weshalb die Männer inhaftiert waren. Damit habe die Bild ihr eine Affinität zu Gewalttätern unterstellt.
El-Hassan: WDR folgte "verfälschender Einordnung" der Bild
Dem WDR, kritisiert El-Hassan, habe die "verfälschende Einordnung seitens der Bild-Zeitung" jedoch gereicht, um die geplante Beschäftigung als Moderatorin zu beenden. "Dass die Beschäftigungsverhältnisse anderer WDR-Mitarbeitenden ebenfalls in Bezug auf Aktivitäten und Likes auf Social Media hin überprüft werden, wage ich zu bezweifeln", schreibt El-Hassan.
Dass sich in einem offenen Brief mehr als 400 Menschen des öffentlichen Lebens, unter ihnen Jüdinnen und Juden, mit ihr solidarisiert hatten, habe den Sender nicht von der Trennung abgehalten. "Interessanterweise schienen diese Stimmen letztlich aber nicht den Impact zu haben, den die Bild-Zeitung hatte", kritisierte El-Hassan. "Jüdische Stimmen wurden somit gezielt ignoriert und delegitimiert. Alles unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung."
Auch andere Wortmeldungen habe der Sender offenbar nicht in seine Entscheidung einbezogen: "Dass mit dem ehemaligen israelischen Botschafter in Deutschland, Avi Primor, und dem Historiker und Antisemitismusforscher Professor Moshe Zimmermann zwei prominente Stimmen öffentlich jeden einzelnen Vorwurf der Bild-Zeitung entkräfteten, hat den WDR auch nicht zur Umkehr bewegt", schreibt El-Hassan.
Der WDR hat sich endgültig gegen eine Zusammenarbeit mit der Journalistin und Ärztin Nemi El-Hassan entschieden. Das Vertrauen für eine künftige Zusammenarbeit sei nicht mehr vorhanden, teilte der Sender mit. Zuvor hatte El-Hassan den Sender in einem Gastbeitrag für die Berliner Zeitung für den Umgang mit ihr kritisiert. Der Sender wollte die Journalistin und Ärztin eigentlich das Wissensmagazin Quarks moderieren lassen, war nach in der Bild
erhobenen Antisemitismusvorwürfen dann aber davon abgerückt.
El-Hassan hat dem WDR daraufhin vorgeworfen, sich einer "Kampagne" der Bild-Zeitung gegen sie angeschlossen zu haben. "Der WDR
hat sich – in der Hoffnung, sich selbst aus der Schusslinie zu
ziehen – allen Argumenten der Bild-Zeitung angeschlossen und somit auch
zukünftigen Kampagnen Tür und Tor geöffnet", kritisierte El-Hassan. Zunächst hatte der Sender noch eine Anstellung in der Redaktion von Quarks erwogen, nach dem Gastbeitrag in der Berliner Zeitung schloss der WDR nun jegliche Zusammenarbeit aus.