Neuer Ärger um das umstrittene Humboldtforum in Berlin: Die Vergabekammer des Bundeskartellamts fordert die Wiederholung des Vergabeverfahrens "ab Zeitpunkt der Preisgerichtsentscheidung". Diese war einstimmig für den italienischen Architekten Franco Stella gefallen. Nach Auffassung des Bundesbauministeriums sei diese Juryentscheidung durch die Vergabekammer auch nicht in Zweifel gezogen worden.

Aus der Stellungnahme von Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee (SPD) geht hervor, dass die Vergabekammer unter anderem gerügt hat, dass der unterlegene Architekt über den Vertragsabschluss mit Stella nicht vorher informiert worden sei. Das hatte der Berliner Architekt Hans Kollhoff beanstandet, der den dritten Preis errungen hat und eine "mangelnde Transparenz" bei der Vertragsvergabe mit dem italienischen Architekten beklagte.

Der Wettbewerb soll nach Angaben des Ministeriums nicht neu ausgeschrieben werden. Die Behörde kündigte umgehend an, beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde einzulegen. Die Verfahrensstreitigkeiten würden "den Bau des Humboldtforums nicht verzögern", hieß es in Berlin.

Architekt Stella betonte in einer ersten Stellungnahme, er bedauere es außerordentlich, "dass sich die Realisierung des einstimmig von einer internationalen Jury in einem sehr transparent geführten Wettbewerbsverfahren ermittelten Entwurfes nunmehr verzögern könnte". Ergänzend heißt es in einer Presseerklärung von Stellas Berliner Anwaltsbüro dazu, das Verfahren sei "von einem unterlegenen Wettbewerbsteilnehmer eingeleitet" worden und richte sich ausschließlich gegen die Bundesrepublik Deutschland. "Gegenstand des Nachprüfungsverfahrens waren ausschließlich Verfahrensfragen – zu keinem Zeitpunkt stand der Wettbewerbsgewinner selbst oder die Qualität seines Entwurfes im Zentrum der juristischen Auseinandersetzung."

Das Humboldtforum mit dem Wiederaufbau der barocken Fassaden des Berliner Stadtschlosses soll ab Herbst 2010 beginnen und bis 2013 dauern. Im Vorfeld der Entscheidung für Stella hatte es zahlreiche heftige Diskussionen über das Projekt an sich sowie dessen künstlerische Ausgestaltung gegeben.