Die 1911 in Paris geborene Bourgeois galt als Grande Dame der Gegenwartskunst. Ihr Werk ist in zahlreichen großen Museen vertreten, darunter im New Yorker Museum of Modern Art, im Centre Pompidou in Paris, in der Londoner Tate Gallery und im Museum Ludwig in Köln.

Weltbekannt sind vor allem die riesigen Bronze-Spinnen der französisch-amerikanischen Künstlerin, unter denen Menschen wie kleine Insekten wirken.

1993 bestückte Bourgeois den amerikanischen Pavillon auf der Biennale in Venedig, 1999 wurde sie als Teilnehmerin dieser Kunstschau mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Frankreich hatte sie 1938 für ihren Ehemann Robert Goldwater, einen Kurator am Museum of Modern Art, verlassen.

Louise Bourgeois galt zeitlebens als eine Künstlerin mit großen Selbstzweifeln – in Bezug auf ihre Rolle als Tochter, später als Ehefrau, Mutter und Künstlerin. "Ich habe Angst vor allem, einfach vor allem", sagte sie einmal. Die Sorge, Anforderungen der Familie nicht gerecht zu werden, zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk der Künstlerin, deren Werke in Deutschland unter anderem in der Akademie der Künste Berlin oder in der Kunsthalle Bielefeld zu sehen waren.

Louise Bourgeois schöpfte ihre Kunst aus ihrer Biografie. Eine Werkauswahl © Chris Jackson/Getty Images

In Bielefeld wurden 2006 auch die Cells gezeigt, Installationen, mit denen die Künstlerin seit Ende der achtziger Jahre Weltruhm erlangte. Es sind große, metallische Käfige, deren Inhalt zurück in die Kindheit der Künstlerin weist oder ihre Rolle als Ehefrau darstellt. So entdeckte der Betrachter in Cell Nr. 7 beispielsweise ein Modell ihres Elternhauses, eine Spinne aus Bronze als Symbol für die Mutter, altmodische Mädchennachthemden und ein Bett, in dem ein, von Nadeln durchstochener Gegenstand liegt.

Zu den frühen Motiven der Bildhauerin gehört der nackte weibliche Körper, dem ein Haus auf den Kopf gestülpt ist. Zehn Jahre lang, von 1945 bis 1955, befasste sich die dreifache Mutter immer wieder mit der Femme Maison , deren Zuhause gleichzeitig ein Gefängnis ist. "Die kopflose nackte Frau ist gleichermaßen eingesperrt und schutzlos", sagte einst Bielefelds Museumsdirektor Thomas Kellein.

Persönliche Enttäuschungen und tiefer Schmerz spiegeln sich in den Installationen der Grande Dame der Bildhauerei ebenso, wie Hass und Wut. The reticent child (Das verschlossene Kind) nannte sie im Jahr 2003 eine Anordnung von vier weiblichen und zwei kindlichen Figuren, zwischen denen es keine Annäherung gibt. Louise Bourgeois verarbeitet darin die Trauer über das Verhältnis zu ihrem Sohn Alain, einem Jungen, der die Liebe seiner Mutter nicht erwidern konnte. "Es ist schwer, ein Künstler zu sein und die Tür zu den Träumen verschlossen zu halten", schrieb die am Anfang ihrer Karriere in den Kreisen der Surrealisten lebende Bourgeois.

Von drastischer Kompromisslosigkeit ist das 1974 entstandene altarähnliche Werk Destruction of the father (Zerstörung des Vaters). Mehr als 20 Jahre nach dem Tod ihres dominanten Vaters richtete – und ehrte – Louise Bourgeois den Mann mit einem kannibalischen Mahl, das in rotes Licht getaucht ist. Aus Stoff-Fetzen genähte lebensgroße Puppen von Bourgeois – mit meist üppigen Brüsten, Stummelarmen und unübersehbarem weiblichen Genital – betonen die Opferrolle der Frau, und unterstreichen einmal mehr den Ruf der gebürtigen Pariserin als radikal-feministische Künstlerin.