Eine wertvolle Vorstudie zu einem seit 1933 verschollenen Hauptwerk des sozialkritischen Malers George Grosz ist in Oberbayern gefunden worden. Das bisher unbekannte Aquarell enthalte wesentliche Elemente des 1918 entstandenen Gemäldes Deutschland, ein Wintermärchen , sagte der Düsseldorfer Galerist Herbert Remmert.

In der Mitte des Bildes sitzt der deutsche Spießbürger an einem Tisch, bewaffnet mit Messer und Gabel. Um ihn herum schwankt die Stadt aus Mietshäusern, Fabriken, Kasernen und Bordellen. Im Vordergrund stehen die "Stützen der Gesellschaft": Ein Pfarrer, ein General und ein reaktionärer Bildungsbürger. Der Wert des Aquarells liege im "oberen sechsstelligen Bereich", sagte Remmert. Nach dem berühmten Wintermärchen -Gemälde von Grosz, das einst dem Verleger und Hitler-Gegner Wieland Herzfelde gehörte, suchen Forscher seit Jahrzehnten vergeblich.

Der gebürtige Berliner Grosz (1893-1959) wurde vor allem für seine provokative Kritik an den Verhältnissen in der Weimarer Republik bekannt. 1933 emigrierte er in die USA und kehrte 1959 nach Deutschland zurück, wo er nach einem Treppensturz starb.

Die Vorstudie zum Wintermärchen wurde im Nachlass des Anfang der 1950er Jahre gestorbenen Düsseldorfer Arztes und Galeristen Hans Koch gefunden, der ein Schwager des Malers Otto Dix war. Vermutlich sei das Aquarell im März 1919 im Graphischen Kabinett in Düsseldorf das letzte Mal ausgestellt worden. Auch Blätter von Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde sowie ein Dix-Aquarell von 1923 mit dem Titel Nächtens seien wieder aufgetaucht.