Frozen (zu Deutsch: gefroren) ist der Titel des raumgreifenden Werkes, das der britisch-japanische Künstler Simon Fujiwara als Gewinner des diesjährigen Cartier Award auf der Londoner Kunstmesse Frieze zeigen wird, die am 14. Oktober eröffnet. Ein dunkles Omen, verstünde man den Titel als Anspielung auf einen "erstarrten" Kunstmarkt. Doch die Stimmung unter den Händlern scheint wieder erwärmt zu sein. Hatte man auf der Frieze 2008 noch die Schwere der Krise mit am deutlichsten zu spüren bekommen, war schon im vergangenen Jahr wieder internationales Publikum in den Regent’s Park zurückgekehrt. Auch die positiven Messeergebnisse im März und Juni auf der Armory Show in New York und der Art Basel ließen viele Händler aufatmen.

Die Frieze-Direktoren Amanda Sharp und Matthew Slotover konnten als Ergebnis eine lange und hochrangige Liste an Bewerbern für den Oktober verbuchen: "Vor dem Hintergrund einer verbesserten finanziellen Stabilität, freuen wir uns über mehr Bewerbungen als je zuvor. Die Liste der Galerien ist sehr stark." Insgesamt 172 Galerien werden im achten Jahr der Frieze die Zelte füllen und Kunstpositionen aus aller Welt präsentieren. Deutschland wird mit 25 Galerien, hauptsächlich aus Berlin, wieder stark vertreten sein und reiht sich an dritte Stelle hinter Amerika und dem Gastgeberland. Neben dem großen Anteil an europäischen und amerikanischen Galerien, werden sich auch zahlreiche Händler aus Asien und Lateinamerika die wichtigste Kunstmesse Englands nicht entgehen lassen.

Die Liste der Londoner Galerien lässt große Namen nicht aus: Hauser & Wirth, Gagosian, Sadie Coles, White Cube, Lisson, Timothy Taylor und Victoria Miro zieht es zur Messe. So auch die New Yorker David Zwirner, Matthew Marks, Gavin Brown, Marian Goodman, Greene Naftali und Anton Kern, um nur ein paar zu nennen. Zum ersten Mal wird die New Yorker Galerie Bortolami einen Stand beziehen. Thaddaeus Ropac wird mit seiner Pariser Dependance anreisen. Zu den Händlern mit Sitz in Deutschland zählen neben den Berliner Galerien Contemporary Fine Arts, Isabella Bortolozzi, Eigen+Art, Kamm, Johann König, Peres Projects, Giti Nourbakhsch, Gregor Podnar und Sprüth Magers, die Kölner Gisela Capitain und Daniel Buchholz sowie Rüdiger Schöttle aus München.

Javier Peres von Peres Projects in Berlin und Los Angeles blickt optimistisch in den Herbst: "Diesen Sommer in Basel hat sich gezeigt, Risiken werden wieder eingegangen, die Kunstwelt ist wieder gierig nach guter Kunst, und die Galerien holen das Beste heraus. Wir erwarten nichts weniger auf der Frieze und freuen uns, einem internationalen Publikum hochqualitative Werke zu zeigen. Wir sind zuversichtlich, dass dieses Jahr in London gilt: Gute Kunst kommt gut an." Im Gepäck wird der Kunsthändler unter anderem den spanischen Maler Antonio Ballester Moreno, den New Yorker Künstler Joe Bradley und die dänische Kollagistin Kirstine Roepstorff haben. Für Peres ist die Frieze die progressivste aller internationalen Messen. Auch deshalb scheint es für viele Galerien neben Umsatzerfolgen wichtig zu sein, einfach Präsenz zu zeigen und am Puls der Zeit zu bleiben. Die Gegenwart von bedeutenden Kuratoren und die Nähe zu den großen britischen Kunstinstitutionen sind außerdem wichtige Anziehungspunkte.

Viele Galerien setzen auf Einzelpräsentationen. So zum Beispiel Jörn Bötnagel und Yvonne Quirmbach von BQ in Berlin, die an ihrem Stand Friedrich Kunath zeigen werden. Die Galerie Isabella Bortolozzi wird eine Solo-Show des belgischen Künstlerduos Harald Thys + Jos de Gruyter präsentieren, die auch schon mit einem Projekt auf der Art Unlimited in Basel vertreten waren. Eine Einzelpräsentation der Künstlerin Ricarda Roggan wird bei Eigen+Art zu sehen sein. Sprüth Magers werden neben vielen jüngeren Künstlern ihren Filmladen "Image Movement" mitbringen, in dem täglich ein neuer Künstlerfilm zu sehen sein wird. "Nach einer sehr guten Messe in Basel wird auch die Frieze sicher sehr interessant werden", kommentiert Philomene Magers.

Nach einer erfolgreichen Premiere im letzten Jahr wird das Neukonzept "Frame" zurückkehren – eine Plattform für junge Galerien, die hier die Möglichkeit haben, Einzelschauen aufstrebender Künstler zu präsentieren. Unter den 25 Ausstellern finden sich gleich fünf junge Berliner Galerien: Sommer & Kohl, Micky Schubert, Gentili Apri, Chert und Supportico Lopez.

Wer nichts kaufen möchte, kann sich wieder auf ein herausragendes Rahmenprogramm freuen, gespickt mit zahlreichen Vorlesungen, Diskussionen, Filmen und ortsspezifischen Kunstinstallationen. Ausgehend von der Idee einer antiken Stadt unterhalb des Messegeländes wird Simon Fujiwara das Areal in eine fiktive Ausgrabungsstätte verwandeln. Archäologische Funde und Schautafeln sollen von einer vergangenen Zivilisation erzählen. Eine Anspielung auf das althergebrachte Bedürfnis des Menschen, Kunstobjekte zu erschaffen, zu sammeln und zu fetischisieren – ein Bedürfnis, nirgendwo präsenter als auf dem Kunstmarkt und eines, das wohl noch lange erhalten bleiben wird, auch in Zeiten einer Krise.

Der  Artikel ist erschienen in der Zeitschrift Weltkunst.