Recht grundsätzlich und weltweit gilt das Grillen als eher männliche Freizeitbetätigung. Wenn er Fleisch aufs heiße Eisen legt, Rauchschwaden und spritzendem Fett widersteht und der Sippe schließlich den Ertrag seiner Mühen präsentiert, findet selbst der postmodern-verunsicherte Mann noch zu sich selbst.

In Argentinien, einem Land, das sich kulturell wesentlich über die Viehzucht definiert, ist der Mann ohne Grill kein Mann. Bei einem standesgemäßen assado geht es nicht einfach darum, ein paar Würstchen auf den Rost zu werfen. Vielmehr werden veritable Fleischberge über der Kohle gewälzt, auf dass vom gemeinsamen Gelage stets ein üppiger Rest bleibe.

Für die Inszenierung dieses urargentinischen Rituals hat der argentinische Fotograf Marcos López, geboren 1958 in Santa Fe, das letzte Abendmahl als Vorlage gewählt. Auch damals versammelten sich ja nur Männer um einen üppig gedeckten Tisch. Bei López sitzen sie in verschwitzten Fußballtrikots und Unterhemden, wahlweise auch barbrüstig, an einer mit Fleischbergen überladenen Tafel und lassen Fett in Strömen von den Unterarmen rinnen.

López überzeichnet die Klischees argentinischer Kultur aufs Unterhaltsamste . Er zeigt Fleischerinnen mit Blutwurstketten und langen Messern in der Hand, Frauen in kuhscheckigen Dessous, ungerührte Gardel-Imitatoren, die im Restaurant zum Tango aufspielen, während sich abgehalfterte Transvestiten neben vollen Aschenbechern Spaghetti aus Plastikschalen genehmigen. Mit seinen Bildern kommt der Fotograf der Wirklichkeit seiner Heimat oft näher als viele der Bücher, die das Gastland Argentinien in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse präsentiert. 

Bildband:Marcos López von Marcos López, Ediciones Larivière, Buenos Aires 2010, 232 Seiten, durchgehend bebildert, 58 €, www.edicioneslariviere.com

Ausstellung:Carne Argentina , noch bis zum 24. Oktober in der Ausstellungshalle 1a, Schulstraße 1a, 60594 Frankfurt am Main, www.ausstellungshalle.info