Der alle zwei Jahre verliehene Preis der Nationalgalerie für junge Kunst ist – typisch Berlin – vor allem ein Anlass zum Feiern. Gestern Nacht wurde auf einer großen Party in einem von Fahrzeugen befreiten Autohaus am Kurfürstendamm die sogenannte Shortlist für diesen bedeutenden Preis bekannt gegeben: Die allesamt in Berlin lebenden Künstler Kitty Kraus, Klara Lidén, Cyprien Gaillard und Andro Wekua dürfen im kommenden September im Museum Hamburger Bahnhof jeweils ein Werk präsentieren. Zur Ausstellungseröffnung wird es wieder eine Party geben. Einer von den vier Künstlern bekommt dann von einer zweiten Jury den mit 50.000 Euro dotierten Preis verliehen. Was selbstverständlich mit einer großen Party begangen werden muss. Letzter Preisträger war der in Berlin lebende Videokünstler Omer Fast.

Auch diesmal stehen auf der Shortlist des vom Verein der Freunde der Nationalgalerie ausgelobten Preises die Namen von zwei Künstlern, Cyprien Gaillard und Klara Lidén, die viel mit bewegten Bildern arbeiten. Gaillard, 1980 in Paris geboren, filmt gern Architekturen wie etwa die Ruinen der deutschen Bunker am Atlantikwall oder gigantische Hotelsilos in Mexiko. Im kurzen Einspielfilm auf der Nominierungsparty sah das gespannte Publikum einen Ausschnitt aus Gaillards Film Cities of Gold and Mirrors , in dem amerikanische Studenten mit entblößtem Oberkörper und Tequilla-Flaschen ihre Spring-Break-Feierlust vor eben jenen mexikanischen Hotelbunkern aufführten. Das Berliner Nationalpreispublikum johlte gleich mal mit.

Klara Lidén thematisiert Mythen, hier den "Mythos des Fortschritts" (aus dem Jahr 2008)

Klara Lidén interessiert sich in ihren Installationen ebenfalls für die Konstruktion und Destruktion von Architektur. Zur Nominierung der 1979 in Stockholm geborenen Künstlerin wurde ein kurzer Schnipsel aus ihrem Film Bodies of Society von 2006 eingespielt. Für Lidéns rebellisches Werk ist dieser Film durchaus charakteristisch. Man sieht sie mit einer Eisenstange so lange auf ein schönes Fahrrad eindreschen, bis es in seine Einzelteile fällt – eine besonders kluge und einfühlsame Filmauswahl für die feierliche Präsentation in einem großen Autohaus.

Eine fragile Installation aus dünnen Glasscheiben hat Kitty Kraus gebaut (Ohne Titel, 2009)

Den in Berlin heute so überaus beliebten unpompös-handgemachten Neo-Minimalismus vertritt auf der Shortlist die 1976 in Heidelberg geborene Kitty Kraus. Mal hängt sie ein einfaches, rechteckiges dunkles Tuch an die Wand, dann lehnt sie auf sehr fragile Weise Glasscheiben aneinander oder legt eine Glühbirne auf einen Eisblock und lässt ihn schmelzen.

"Get out of my Room" heißt die Arbeit von Andro Wekua von 2006

Während Kraus, Lidén und Gaillard sich in ihren konzeptuellen Herangehensweisen letztlich nicht unähnlich sind, sticht der 1977 in Georgien geborene Andro Wekua mit seinen surreal verträumten Gemälden und Installationen aus dieser Nominierungsliste heraus. In seiner "expressiv überzeichneten" Kunst, so steht es im kurzen Begründungstext der Jury, würden Geschichten angedeutet, die ins Leere laufen. Ob die Menschen Wekua bei diesem recht bombastischen Leerlauf zuschauen mögen, bleibt fraglich.

Die besten Chancen auf den Preis haben, da waren sich die Gäste der Nominierungsparty recht einig, Kitty Kraus und Cyprien Gaillard. Doch noch ist nichts entschieden, jetzt müssen alle vier Nominierten erst mal Kunstwerke für die Ausstellung im kommenden Jahr schaffen. Und dann wird wieder weitergefeiert.