Ihre Farbpalette ist elektronisch, ihre Leinwand gläsern. Oder die Natur. Siegrun Appelt, 1965 in Bludenz in Vorarlberg geboren, lebt und arbeitet als Künstlerin in Wien. Sie inszeniert Räume mit Licht.

In diesem Jahr präsentiert sie zwei große Projekte – die sich in ihrer Gegensätzlichkeit großartig ergänzen – in Venedig und in Mühlheim an der Ruhr. Im Weißen Raum des Deutschen Pavillons auf der Architekturbiennale in Venedig schuf sie eine unmerklich wandelnde Farbimpression auf einem LED-Lichtmodul als stilles Statement zum Thema Sehnsucht.

Im Rahmen von "Ruhrlights: Twilight Zone" dagegen erweckte sie zu später Stunde die Uferlandschaft in Mühlheim zum Leben. "Mit Licht malen zu können", erzählt Siegrun Appelt, "ist faszinierend. Dank moderner Lichttechnologie lassen sich differenzierte Lichtsequenzen inszenieren, die für das menschliche Auge fast nicht nachvollziehbar sind."

Siegrun Appelt ist eine zierliche Frau. Ihre blaugrünen Augen blitzen, wenn sie über ihre Projekte spricht. Diese Künstlerin weiß genau, was sie will. Und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, wenn sie per Telefon letzte Anweisungen zu einer Vernissage in Duisburg geben soll.

In ihrer Abwesenheit wird im Rahmen des 16. International Symposium on Eletronic Art die Lichtinstallation auf der Mühlenweide freigeschaltet. Per SMS kommt am späten Abend die Nachricht, dass alles gut gelaufen ist. Doch jetzt gilt ihre Aufmerksamkeit der Biennale, die wir nach einem langen Tag Revue passieren lassen.

"Die Arbeit im Deutschen Pavillon war reizvoll, denn während ich in den aktuellen Landschaftsprojekten mit starken Scheinwerfern und Licht- und
Schatten-Bewegungen arbeite, habe ich hier im Weißen Raum eine dezente Ton-in-Ton-Installation geschaffen."

Vor den weißen Wänden des hohen Raumes setzt sich kaum merkbar eine querformatige LED-Leinwand ab, die, ebenfalls mit einem weißen Grundton, in langsamen Farbabläufen ihre Gestalt ändert. Es sind verschieden große rundliche Farbelemente in feinen grauen und erdigen Farbtönen, die je nach Tageszeit und Lichteinfall stärkere Intensität annehmen.

Ein Echo der Landschaft draußen vor der Tür? Ein wehender leichter Vorhang gibt den Blick frei auf das umliegende Parkareal, wo im Grünen, mit
Blick auf die Lagune, Venedig real erfahrbar wird. Appelt schuf ein elektronisches Stimmungsbild, das den Betrachterin seinen Bann zu ziehen weiß. Mit dem klassischen Format 120 x 180 cm, von der Künstlerin eigens in Auftrag gegeben und museal gehängt, erinnert die LED-Apparatur an das
historische Tafelbild. Ein fantastisches Lichtgemälde.

Ist diese Kunst erschwinglich? "Sie wird es sein", kommentiert Siegrun Appelt. Tatsächlich bieten Firmen wie die Zumtobel Lighting AG oder die Insta Electro GmbH mittlerweile LED-Panels der jüngsten Generation von höchster Farbbrillanz, die eine vielfältige Nutzung erlauben, an. Im Handel sind schon jetzt Standard-Größen von 60 x 60 und 90 x 90 cm erhältlich, aus denen sich Lichtflächen zu Bildern zusammensetzen lassen.

Die Hardware gibt es ab 3500 Euro, sie wird mit einer Speicherkarte bedient. Man könnte demnach einen Künstler mit Licht-Impressionen
und -Abläufen beauftragen und diese je nach Stimmungslage einspielen. Siegrun Appelt wiegelt ab. "Ganz so einfach ist das nicht." Tatsächlich bestehen die Bildwände aus LED-Platinen, die sich jeweils aus einzeln ansteuerbaren RGB-LEDs zusammensetzen.