Dass Künstler für Luxusfirmen arbeiten, ist nicht ungewöhnlich. So dekorierten Richard Prince und Olafur Elliason Schaufenster für Louis Vuitton. Auch die Pariser Lederwaren-Manfuktatur Hermès hat eine lange Tradition in der Kooperation mit Künstlern.

Jetzt hat der Franzose Daniel Buren, Schöpfer der schwarzweiß-farbenen Säulen im Hof des Pariser Palais Royal, in Zusammenarbeit mit dem Luxushersteller 365 verschiedene Seiden-Tücher gestaltet, jene berühmten aufgrund ihrer quadratischen Form so genannten "Hermès Carrés".

Buren bedruckte sie mit einer Auswahl seiner "photo-souvenirs". So nennt der 72-jährige Künstler die Erinnerungsfotos seiner Reisen und seiner Arbeit, die er seit den 1950er Jahren anfertigt. Doch so alltäglich wie sie daherkommen, sind Burens "photo-souvenirs"nicht. Sie behandeln Themen, die für sein Werk wichtig sind, wie Raum, Zeit und Farbe.

Pierre-Alexis Dumas, künstlerischer Direktor von Hermès und ein großer Kunstliebhaber, war angetan von Burens Konzept und ließ die 22 Motive mit einer für diesen Zweck optimierten Tintenstrahl-Druck-Technik auf die Seidentücher drucken – eine Methode, die Hermès bis dahin kaum angewandt
hat.

Dumas sagt, die Methode erlaube anders als die sonst bei den Carrés gebräuchliche Siebdruck-Technik die Verwendung unendlich vieler Farben. "Das Ergebnis war eine Offenbarung für uns alle, auch für Buren." Angewandt auf ein delikates Medium wie Seide, verändere sich die Wirkung seiner Fotos.

"Die Farben wirken intensiver, wärmer und weicher" als auf Foto-Papier, schwärmt Dumas. Buren rahmte die Tücher mit Passepartouts, wie sie seit Jahrzehnten zu seinen Markenzeichen gehören. Jedes Tuch ist ein Unikat, das sich von den anderen entweder durch das Motiv oder durch den Rahmen von den anderen unterscheidet.

Der Künstler will seine Hermès-Carrés zwar als Kunstwerke verstanden wissen, ihm gefällt jedoch die Idee, dass die Trägerinnen sie um den Hals und um den Kopf binden und so in die Welt hinaus tragen. "Es sind Unikate, die zum Tragen gedacht sind", betont er. Und gerne stellt er sich vor, wie sich zwei Trägerinnen eines solchen Foulards begegnen und liebevoll ihre und damit seine "Photo-Erinnerungen" vergleichen.

Die Hermès Carrés von Daniel Buren sind zusammen mit dem dazugehörigen Buch "Photos-souvenirs au carré" in ausgewählten Hermès-Geschäften zu erwerben. Preis jeweils 5000 Euro

Dieser Artikel ist erschienen in der Zeitschrift Weltkunst 14/2010