Sammler, das sind Einzelgänger, die darauf bedacht sind, dass ihnen ihre Rivalen nicht die besten Stücke vor der Nase wegschnappen. Soweit das Klischee. Aber es gibt auch Kunstsammler, die sich mit Gleichgesinnten zusammenschließen, austauschen und in der Gemeinschaft sogar eine Marktmacht erlangen. Solche Vereinigungen sind die sogenannten Sammlerklubs, von denen es immer mehr zu geben scheint. Der Preis, den sie dafür zahlen, ist allerdings nicht zu unterschätzen.

In der Gruppe geben sie einen Teil der Privatsphäre auf, die um ihre Kunstsammlung herrscht. Hierin unterscheidet sich der Sammlerklub nicht von anderen sozialen Netzwerken wie Facebook. Das Bewusstsein für die Gefahr der Öffnung des Privaten steckt hinter der Struktur vieler Sammlerklubs: Sie beschränken sich auf einen kleinen, freundschaftlichen Rahmen und akzeptieren neue Mitglieder nur auf persönliche Einladung. Die Exklusivität der Sammlerklubs wird durch eine intensive Prüfung potentieller Neumitglieder gesichert.

In der Regel sind mit dem Klub-Beitritt hohe Mitgliedsbeträge verbunden. Sammlerklubs richten sich zumeist an einen kleinen, vermögenden Kreis Kunstinteressierter. Der Sammlerklub verbindet die Exklusivität eines Gesellschaftsklubs mit Kunstsinn. Kunst ist ein wesentlicher Bestandteil auch Member Clubs wie dem New Yorker "Core Club" und dem Berliner "China Club".

Das Konzept dieser Klubs geht auf die aristokratischen Gesellschaftklubs Großbritanniens zurück. Eine Mitgliedschaft im Klub kann als Status- und Standessymbol angesehen werden. Die Gesellschaft ist exklusiv und vermögend, was sich nicht zuletzt in den hohen Mitgliedsbeiträgen widerspiegelt. Das Interesse an Kunst ist dagegen kein Kriterium für eine Aufnahme in den Klub. Mitglieder des "Core Club" und des "China Club" können – müssen aber nicht – Kunstsammler sein.

Seit September 2005 können die Mitglieder des "Core Club" in New Yorks Midtown dem Alltag entfliehen und sich eine reichliche Portion Luxus gönnen. Die Exklusivität der Vereinigung hat einen stolzen Preis: Für eine neue Mitgliedschaft werden einmalig 55.000 Dollar fällig. Die Leiterin und Erfinderin des "Core Club", Jennie Saunders, möchte diesen bewusst von den etablierten, aber eben auch antiquierten Gesellschaftsklubstrennen.

Der Leitspruch lautet: "Der 'Core Club‘ ist eine fein selektierte Sammlung an Menschen, Kunst, Büchern und Ideen. Wir suchen Mitglieder, die den Club mit ihrer Persönlichkeit bereichern, die interessant und international sind. Zudem empfinden viele unserer Mitglieder eine tiefe Leidenschaft für Kunst. Der Core Club hat eine eigene Kunstsammlung mit etablierter Kunst, darunter sind Werke von Andy Warhol, Takashi Murakami und Jeff Koons. Unser Sammlungsschwerpunkt liegt auf zeitgenössischer Kunst."

Sie möchte im Klub einen intellektuellen Austausch unter den Mitgliedern erreichen und so eine "Stimme der Gegenwartskultur" erzeugen. Öffnen sich die Türen des Klubs den neugierigen Blicken der Außenstehenden, kann beispielsweise ein "Spin-Painting" von Damien Hirst bewundert werden.

Der Club bietet seinen Mitgliedern ungefähr 150 kulturelle Veranstaltungen im Jahr. Saunders begründet diese Vielzahl an Events mit dem Ehrgeiz, "innovativ" zu sein, neue kulturelle Trends mit dem etablierten Kulturgut zu verknüpfen." Sie wünscht sich sogar, dass die Vereinigung stilprägende Bedeutung für Kultur, Kunst und Film haben soll. "Immerhin 1400 Mitglieder scheinen an diese Vision zu glauben.

In Berlin eröffnete Anna Maria Jagdfeld schon 2003 den "China Club". Das Konzept sieht das "ganzheitliche Erfahren" der chinesischen Kultur vor, was vielleicht vorbereitet auf eine Welt, in der China beherrschender sein wird als heute: Das Interieur, das kulturelle Programm und die kulinarischen Köstlichkeiten stammen aus dem Reich der Mitte.

Chefkoch Tam Kok Kong (allerdings aus Singapur stammend) bereitet die Gerichte zu. An den Wänden hängen Kunstwerke chinesischer Gegenwartskünstler. Die Inneneinrichtung ist dagegen klassisch im Art-déco-Stil Asiens gehalten. Bei 1200 ist die Mitgliederzahl gedeckelt. Alle anderen stehen auf einer Warteliste. Der Klub richtet sich an eine anspruchsvolle, internationale Klientel. Seine Lage im Adlon-Palais wird dem elitären Anspruch gerecht. Die Mitgliedschaft kostet einmalig 10.000 Euro Aufnahmegebühr und jährlich 2000 Euro und ist nur auf Empfehlung möglich.