Die Tefaf ist bekannt für das große Angebot an Gemälden Alter Meister. Nirgendwo sind so viele millionenschwere Altmeister zu finden wie hier – von flämischen, holländischen Gemälden über italienische, spanische und französische bis zu deutschen und englischen Meistern. Kein Sammlerherz bleibt in Maastricht unbefriedigt. Experten schätzen, dass 70 Prozent der Spitzenwerke Alter Meister, die weltweit zum Kauf angeboten werden, auf der Tefaf zu sehen sind. Was bringen die Kunsthändler in diesem Jahr mit nach Maastricht?

Die hohen Ergebnisse der Altmeister-Auktionen in der letzten Januar-Woche in New York und London haben gezeigt, dass der Markt stark ist. Bei Sotheby’s in New York ersteigerte ein europäischer Sammler Tizians Sacra Conversazione mit Apostel Lukas und Katharina von Alexandrien (um 1560) für 16,8 Millionen Dollar. Das Werk des Hauptmeisters der italienischen Hochrenaissance stammt aus der Sammlung des deutschen Unternehmers Heinz Kisters und ist eines der wenigen Gemälde des Malers in Privatbesitz. Das Ergebnis brach den bisherigen Auktionsrekord für ein Tizian-Gemälde von 1991: 12,4 Millionen Dollar.

Im Rahmen der Tagesauktion "Old Master Drawings" ging das Hauptlos Jupiter und Juno von Perino del Vaga für 782.500 Dollar an das Metropolitan Museum of Art. Sieben Werke aus der Sammlung J. E. Safra sind zu neuen Künstlerrekordpreisen versteigert worden. Insgesamt fuhr Sotheby’s damit das zweitbeste Ergebnis für die Sparte ein. Das verdeutlicht, dass sich immer mehr Kunst-Sammler für Alte Meister interessieren. Die große Nachfrage lässt die Preise in die Höhe schnellen. Der Altmeister-Händler Oskar Scheidwimmer aus München räumt ein, dass diese astronomischen Preise es den Kunsthändlern erheblich erschweren würden, gute Werke für Maastricht zu finden. "Wir konnten auf den letzten großen Altmeister-Auktionen kaum etwas kaufen – weil wenig angeboten wurde und weil die Preise viel zu schnell in die Millionenhöhe gingen." Allerdings zeigt das auch, dass der Markt stabil ist.

Erschienen im Magazin Weltkunst, Ausgabe März 2011 © Weltkunst

"So schnell ändert sich nichts auf dem Altmeister-Markt", bemerkt George Gordon, der bei Sotheby’s in London Experte für Gemälde Alter Meister ist. "Es wird auch in Zukunft keine radikalen Veränderungen geben. Alte Schätze gelten schon immer als wertbeständigste Geldanlage, und das sind sie auch heute noch. Es ist allerdings zu beobachten, dass der Anteil der Privatbieter gestiegen ist." Der ganze Markt wird mehr und mehr durch private Käufer dominiert. Das spürte selbst der Londoner Altmeister-Händler Johnny van Haeften. Er musste bei den Sotheby’s-Auktionen in New York ein Werk des Leidener Malers Gerrit Dou, die Alte Frau am Spinnrad, einem europäischen Privatsammler überlassen. Der ersteigerte das Bild für 5,4 Millionen Dollar. Trotz der Stabilität geht die Sorge um, dass der Markt nach und nach austrocknet: "Viele Kunsthändler klagen momentan über die schlechte Marktsituation", sagt Gordon. Es sei weniger qualitätvolle Ware im Umlauf. "Natürlich hängen damit auch die hohen Preise zusammen. Je weniger zur Verfügung ist, desto mehr kämpfen Sammler um die angebotenen Top-Werke."

Altmeister-Händler Konrad O. Bernheimer aus München erklärt: "Das große Interesse an den Alten Meistern hängt nicht nur damit zusammen, dass die Ware wirklich knapp wird, sondern dass eine ganz neue, breite Käuferschicht, die vorher an der Klassischen Moderne oder den Zeitgenossen interessiert war, dazu kommt. Wie ich jetzt bei den Auktionen in New York gesehen habe, steigen nun Chinesen in den Altmeister- Markt ein. Überrascht hat mich, dass sie auch nach Goldgrund- Bildern suchten." Bisher habe er noch nicht erlebt, dass Chinesen bei religiöser Kunst mitbieten. "Es kommen also ganz neue Länder zu den Interessenten hinzu. Die russischen Sammler bewegen sich schon länger auf dem Markt. Die Tendenz geht also stark nach oben."

Der Kunsthändler Mark Weiss aus London bestätigt, dass sich der Kundenkreis für Alte Meister vergrößert: "Dazu sind die Käufer anspruchsvoller geworden." Sie würden mehr auf die Qualität und den Erhaltungszustand der Arbeiten schauen. "Aber die Zeit der älteren Connaisseure, die oft mehr über ein Gemälde wussten als der Händler, der sie verkaufte, ist vorbei. Meine Top-Kunden sind Mittvierziger, die in Banken arbeiten oder große Firmen leiten. " Heute seien die Käufer dafür vielseitiger. "Sie hängen unsere Gemälde direkt neben zeitgenössiche Kunst." Weiss, der im letzten Jahr das 25-jährige Bestehen seiner Galerie in London feierte, ist einer der führenden Händler für Gemälde der Tudor- und Stuart-Zeit und nordeuropäische Porträts. Auf der Tefaf bietet er das Bildnis einer unbekannten Dame von Jan Daemen Cool (um 1589–1660) zum Kauf an – für 150.000 Euro. Cool ist heute als der führende Porträt-Maler seiner Zeit in Rotterdam anerkannt. "Das hervorragend gemalte Porträt der jungen Dame wurde wahrscheinlich anlässlich ihrer Verlobung in Auftrag gegeben."

In die Zukunft schaut Weiss optimistisch: "Die letzten Jahre haben gezeigt, dass immer noch wunderbare Gemälde auf dem Markt zu bekommen sind. Also wird man auch in Zukunft noch große Entdeckungen machen können." Er verrät: "Man müsste nur einmal das außergewöhnlich bewegte Bild Salvator Mundi von Leonardo da Vinci sehen, das im Herbst in einer Ausstellung der National Gallery enthüllt werden soll! Ich selbst habe ein erst kürzlich entdecktes Meisterwerk von Frans Hals im Angebot. Der Louvre versucht gerade die finanziellen Mittel aufzubringen, um das Gemälde zu erwerben. Dieses Werk, das bisher völlig unbekannt war, wäre in jeder großen Sammlung ein Juwel."

Auch Maurizio Canesso, der in Paris mit italienischen Altmeister- Gemälden von der Renaissance bis zum 18. Jahrhundert handelt, präsentiert seinen Kunden Spitzenwerke. "Wir bringen ein wunderbares Bild von Bartolomeo Bimbi (1648– 1730) mit nach Maastricht." Das Gemälde mit exotischen Vögeln in naturalistischer Umgebung stammt aus der Sammlung Medici. "Zwei der dargestellten Vögel gehörten Cosimo III de’ Medici: der Kakadu links unten und die Eule in der Mitte des Bildes." Er hielt die exotischen Vögel in einer Voliere. Durch Dokumente und dadurch, dass der genaue Zeitpunkt bekannt ist, wann der Kakadu in Florenz angekommen ist – der Maler erwähnt das Datum in seiner Biografie –, lässt sich das Gemälde mit großer Wahrscheinlichkeit auf 1716 bis 1717 datieren. 480.000 Euro kostet das Meisterwerk.