Alles wie immer? Eigentlich schon. Die erlesensten Alten Meister. Die pastelligsten Impressionisten. Die kostbarsten Asiatica, dazu historisches Mobiliar, Graphik, Kunstkammer-Objekte. Alles eingebettet in knackfrisch erblühte 22.000 Nelken und Tulpen, deren Frische perfekt kontrastiert mit der noblen Historie. Das ist The European Fine Art Fair in Maastricht , kurz Tefaf genannt.

Auf dieser Messe wird französisch bewundert, englisch gespottet, deutsch gemunkelt und niederländisch kalkuliert. Chinesisch ist noch die Ausnahme. Wer scharf auf Schnäppchen ist, muss freilich lange suchen. Der Aufwand, den die ausstellenden Händler treiben, um Ware und Objekte in Museumsqualität zu präsentieren, hat seinen Preis. "Mondpreise", brummt ein Besucher.

Also eben doch alles wie immer? Nicht ganz. Vor einem dreiviertel Jahr flog ein Trio auf, das den deutschen und europäischen Kunsthandel mit rund 70 gefälschten Werken der klassischen Moderne hinters Licht geführt hat. Die Pechsteins, Derains, Campendonks und Max Ernsts, große Namen der Klassischen Moderne, stammten aus einer Sammlung Werner Jägers – angeblich. Tatsächlich entstanden sie im Atelier von Wolfgang F. B. Der Künstler musste im Spätsommer seine Freiburger Villa mit einer Gefängniszelle tauschen. In Kürze wird die Kölner Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn und sechs weitere Verdächtige erheben – wegen bandenmäßig begangenen Betrugs.

Welche Konsequenzen wird der Fall nach sich ziehen? Darüber wird auch in Maastricht diskutiert, wenn auch eher diskret, wie es in der Branche üblich ist. Mancher möchte die Rolle der Experten neu definiert sehen – jener Gutachter, die einen Ruf als anerkannte Autoritäten haben für einen bestimmten Künstler und die damit seinen Marktwert regeln. Häufig ist dieser Gutachter auch Autor des Werkverzeichnisses "seines" Künstlers. Solange diese Experten aber nicht eindeutig die Echtheit eines Gemäldes bestätigen, ist es wenig wert. Dadurch entsteht eine Art Marktmechanismus, der preisentscheidend wirkt.

"Der Experte kennt die Archivlage zu dem jeweiligen Künstler wie kein zweiter und kann nachweisen, in welchem Jahr welches Werk entstanden ist. Damit hat er einen besonderen Status und gilt quasi als unantastbare Zuschreibungsautorität auf seinem Gebiet", sagt die Berliner Rechtsanwältin Friederike Gräfin Brühl. Sie vertritt einen Mandanten, der vor fünf Jahren bei Lempertz in Köln für 2,4 Millionen Euro einen falschen Campendonk ersteigerte, Rotes Bild mit Pferden . Gegen das Auktionshaus wird geklagt – und zwar nicht nur auf Erstattung der Kommission, sondern auf Rückabwicklung des Kaufs. Wenn das Gericht zu dem Ergebnis kommt, das Auktionshaus habe fahrlässig gehandelt, werden auch andere Häuser ihre Arbeitsmethoden überdenken müssen.

Etliche Tefaf-Besucher erwarten dieses Verfahren mit Spannung. So fällt denn ins Auge, dass häufiger als früher an den Tefaf-Bildern Etiketten zu finden sind, die deren einwandfreie Provenienz, also die Spur früherer Besitzer belegen. Eine vertrauensbildende Maßnahme, wenn man so will. Es gibt eine weitere, über die man spricht: Der Kölner Auktionator Markus Eisenbeis hat vor ein paar Jahren begonnen, ein Verzeichnis kritischer Werke aufzubauen. Diese von einer Kunsthistorikerin betreute Datenbank nennt mittlerweile an die tausend Gemälde, an deren Echtheit Händler begründete Zweifel angemeldet haben und die daher aus dem Verkehr gezogen werden sollten.